Gesetze

Die „Johannespassion“ von Johann Sebastian Bach enthält sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Tiefpunkte. Diesmal wird das Gesetz als Legitimation für die Tötung eines unschuldigen Menschen hergenommen. Jede Gesetzgebung ist ein menschliches Regelwerk, das immer wieder hinterfragt werden muss.

Morgengedanken 17.4.2019 zum Nachhören (bis 16.4.2020):

Pilatus will Jesus frei geben. Doch dann ruft das Volk: „Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben“. Bach vertont diesen Vers in einer extrem klaren Ordnung. Der Chorleiter fordert uns Chorsänger auf, es ganz staccato, also fast abgehackt, zu singen. Gesetz ist Gesetz. Daran gibt es nichts zu rütteln.

Brigitte Knünz
ist Leiterin der römisch-katholischen Gemeinschaft „Werk der Frohbotschaft Batschuns“ in Vorarlberg

Die Kraft des Volkes

Ich bin in diesem Glauben aufgewachsen, weil ich gelernt habe, dass das Gesetz gemacht wird, damit ein gutes Miteinander in einem Staat möglich ist. Seit wenigen Jahren ist diese Überzeugung ins Wanken geraten. Wenn bei uns Gesetze gemacht werden, die für bestimmte Menschen ein menschenwürdiges Leben erschweren statt ermöglichen, dann frage ich mich, welchem Maßstab hier gefolgt wird, ja, dann stelle ich solche Gesetze in Frage.

Pilatus ist je länger je mehr davon überzeugt, dass Jesus unschuldig ist. Aber er fürchtet sich nach diesen Worten noch mehr, heißt es da. Er wird tun, was das Volk fordert. Die Kraft des Volkes wird hier überdeutlich. Diese Kraft kann aber auch positiv genutzt werden: Indem Menschen für das Gute, das Menschliche zusammenstehen und auf diese Weise bewirken, dass Gesetze wieder so gemacht werden, dass Menschen leben können.