Antijudaismus in der Bibel

Themen: Nahtoderfahrungen und „Ewiges Leben“; Bibelübersetzungen als Ursache für christlichen Antijudaismus; Wer war Judas?; Bibelessay von Karl Schauer

Kurz vor der Schwelle – Über Nahtoderfahrungen und „Ewiges Leben“

Am Palmsonntag nähern sich die Tage, an denen die Erzählungen vom Sterben und Auferstehen des Jesus aus Nazareth in den Mittelpunkt der Betrachtungen von gläubigen Christinnen und Christen rücken. Und damit für viele Menschen auch die Frage nach einem Weiterleben nach dem Tod. Ein Phänomen, das zumindest in der Nähe dieser Frage angesiedelt ist, kennt man unter dem Begriff „Nahtoderfahrung“.

Lebenskunst
Sonntag, 14.4.2019, 7.05 Uhr, Ö1

Menschen, die so etwas erlebt haben, erzählen etwa, wie sie selbst ihren leblosen Körper und die Aktivitäten von Sanitätern und Ärztinnen beobachten, erzählen von einem Tunnel und einem warmen, wunderschönen Licht. Doch was genau ist das? Lassen sich diese Erfahrungen messen, empirisch auswerten? Und was sagen sie aus über ein Leben nach dem Tod?

Hans Goller hat in München, Innsbruck und in den USA Philosophie, Theologie und Psychologie studiert und sich auch aus der Perspektive der Neurologie mit dem Phänomen „Nahtod“ beschäftigt. Auf Einladung der „Akademie am Dom“ war der Jesuit und emeritierte Universitätsprofessor in Wien. Maria Harmer hat mit Pater Hans Goller gesprochen.

Nicht genau genug gelesen – Bibelübersetzungen als Ursache für christlichen Antijudaismus

Vom kleinen Lektor in der Kirche bis hin zur Bibelwissenschaftlerin an der Universität – viele Menschen in Theorie und Praxis stehen immer wieder vor der Frage: Was ist – bald 80 Jahre nach der Schoah – mit Bibelstellen anzufangen, die eindeutig judenfeindlich oder antisemitisch interpretiert oder instrumentalisiert werden können? Gerade der Autor des Johannes-Evangeliums steht im Ruf, besonders aggressiv und polemisch mit den Jüdinnen und Juden der Zeit Jesu umzugehen: In der Szene der Verurteilung Jesu etwa heißt es: „Die Juden aber schrien: „Weg mit dem! Kreuzige ihn!“ Verse wie diese sind das biblische Fundament des christlichen Antijudaismus und Antisemitismus. Müssen sie getilgt, geschönt oder korrigiert werden?

Der Theologe Hans Förster empfiehlt etwas anderes – er empfiehlt einen genaueren Blick in den Originaltext. Denn dort sind viele „Problemstellen“ weit weniger judenfeindlich als in der Übersetzung. Dass der Antisemitismus tief im Christentum verwurzelt ist, daran kann hingegen kein Zweifel bestehen: Am Anfang der traditionellen Judenfeindschaft stand ein konflikthafter Ablösungsprozess der einen Religion von der anderen. Waren diejenigen, die sich zu Jesus von Nazareth als Messias/Christus bekannten, anfangs noch eine innerjüdische Gruppe, lösten sich die späteren Christinnen und Christen immer mehr von der Herkunftsreligion. Juden und Christen fanden sich in einem Konkurrenzkampf um den wahren Glauben, um Anhängerschaft und um Anerkennung wieder. – Gestaltung: Markus Veinfurter

Verräter oder Heilsbringer – Wer war Judas?

Der Schauspieler Samuel Koch - bekannt geworden durch seinen schweren Unfall in der Sendung „Wetten, dass…?“ - hat sich intensiv mit der Figur des Judas Iskariot auseinandergesetzt, jenem Jünger aus der Gefolgschaft des Jesus von Nazareth, der dessen Festnahme arrangiert hat. Im Nationaltheater Mannheim spielt der querschnittgelähmte Samuel Koch den Judas im gleichnamigen Stück der holländischen Autorin Lot Vekemans. Und er ist davon überzeugt, dass ein differenziertes Bild von Judas längst überfällig ist. In allen vier Evangelien des Neuen Testaments jedenfalls kommt die Gestalt des Judas schlecht weg. Judas galt durchweg und gilt oft noch als Inkarnation des Bösen, als Verräter schlechthin, der aus niederen Motiven den mit einem Kuss verrät, von dem er geliebt wird. Anderes ergeben die Forschungen mancher Theolog/innen: Judas, der kurz nach dem Preisgeben Jesu seinem Leben ein Ende setzt, wird als der Jünger gesehen, der sich opfert, um die Erlösertat seines Meisters zu ermöglichen. Ein Gedanke, dem auch Samuel Koch folgen kann, wie er im Interview im Theater von Mannheim erzählt. – Gestaltung: Martin Gross

Hosanna dem Sohn Davids – Bibelessay zu Lukas 19, 28 - 40

Jener Ausschnitt aus dem Lukasevangelium, der im Rahmen der traditionellen Prozession am Palmsonntag gelesen wird, beinhaltet den bejubelten Einzug Jesu in Jerusalem, der Stadt, in der er bald darauf zum Tod verurteilt, gekreuzigt werden und dann auferstehen sollte. Sehr persönliche Betrachtungen dazu hat Benediktinerpater Karl Schauer in einem Bibelessay formuliert. Er ist Bischofsvikar für Wallfahrtswesen, Tourismusseelsorge und Berufungspastoral in der katholischen Diözese Eisenstadt.

Bibelessay zu Lukas 19, 28 – 40

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 14.4.2019 zum Nachhören (bis 13.4.2020):