„Eine Kirche unter dem Kreuz“

Einblicke in das syrische Christentum. Es ist eines der Krisenherde dieser Tage: Syrien. Krieg, Bürgerkrieg und sogenannter IS-Terrorismus bringen das vorderasiatische Land immer wieder in die Schlagzeilen.

Nur wenigen ist bekannt, dass die im 7. Jahrhundert islamisierte Region eine Wiege des Christentums war: etwa der syrisch-orthodoxen Kirche, der maronitisch-syrischen Kirche und der griechisch-orthodoxen Kirche von Antiochien. Antiochien am Fluss Orontes war eines der ältesten christlichen Zentren der Welt. Im 11. Kapitel der Apostelgeschichte in der Bibel wird berichtet, dass die Jünger Jesu in dieser Stadt zum ersten Mal „Christen“ genannt wurden (Apg 11,26).

Welche Bedeutung hat Syrien für das Christentum

Als Gründer und erster Bischof der Gemeinde von Antiochien gilt der Apostel Petrus. Die Kirche von Antiochien wird deshalb – und weil sie ein kirchliches und politisches Zentrum für Syrien und Palästina war – zu den altkirchlichen Patriarchaten der ersten Stunde gezählt: auf einer Ebene mit Rom, Konstantinopel und Alexandrien, und später auch Jerusalem. Die syrischen Christ/innen sprachen Aramäisch, eine dem Hebräisch verwandte Sprache, die u.a. auch Jesus von Nazareth gesprochen hat und bis heute Gottesdienst-Sprache ist, und sie waren Pioniere bei der friedlichen Verbreitung des Christentums. In der Zeit der römischen Kaiser wurden sie bis zur Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert verfolgt. Nach der Konstantinischen Wende erlebten sie eine kurze Phase des Friedens.

Logos
Samstag, 11.5.2019, 19.05 Uhr, Ö1

Beim Kirchen-Konzil von Calzedon 451 n.Chr. kommt es durch – damals unüberbrückbare – Auffassungsunterschiede über die Frage nach der göttlichen Natur Jesu zur Kirchenspaltung. Seitdem ist die syrisch-orthodoxe Kirche – wie auch z.B. die koptische Kirche – eine selbstständig „altorienalische“ Kirche. Nachdem im 7. Jahrhundert n. Chr. der Islam in der Region die Macht übernommen hatte, kam es – trotz Perioden der friedlichen Koexistenz – zunehmend zu Diskriminierung und Verfolgungen. Die Pogrome erreichen Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Genozid an den Armeniern und – was weniger bekannt ist – an den syrischen Christen einen neuen Höhepunkt. Vertreibung, Entführung, Folter und Mord durch islamistische Terrorgruppen mussten viele syrische Christen auch im Syrischen Krieg in den jüngsten Jahren erleiden, weshalb die syrisch-orthodoxe Kirche auch als eine „Kirche unter dem Kreuz“ bezeichnet wird.

Doch welche Bedeutung haben die syrischen Christen für die Existenz und Tradition des Christentums weltweit? Was sollte man über ihre wechselvolle Geschichte und ihre religiöse Lebenspraxis wissen? Wie lässt sich ihre bedrohte Kultur heute bewahren? Und: Warum kommt Europa hier eine besondere Aufgabe zu? – Johannes Kaup gibt zusammen mit dem an der Universität Salzburg lehrenden syrisch-orthodoxen Theologen Aho Shemunkasho Einblicke in das nur wenig bekannte syrische Christentum.

Gestaltung: Johannes Kaup

Logos 11.5.2019 zum Nachhören (bis 10.5.2020):