Notre Dame - Symbol und Gotteshaus

Themen: Notre Dame in Flammen; Die Drusen; Islam in Indonesien

Notre Dame: Gotteshaus in Flammen

Das Feuer ist aus. Zurück bleibt nach dem Brand von Notre Dame ein Bild der Verwüstung. „Ich weiß gar nicht, warum mir diese Bilder der brennenden Kathedrale so nahe gehen, denn eigentlich bin ich gar nicht religiös“. So oder so ähnlich konnte man am Montagabend vielfach in den Sozialen Medien lesen.

Praxis
Mittwoch, 17.4.2019, 16.05 Uhr, Ö1

Notre Dame ist ein Meilenstein der gotischen Architektur, ein Stück Geschichte, ein Symbol – aber eben auch ein Gotteshaus. Im Ö1-Religionsmagazin „Praxis“ ist die Diözesankonservatorin Elena Holzhausen zu Gast bei Alexandra Mantler. Die oberste Denkmalpflegerin der Erzdiözese Wien spricht über die kunsthistorische, aber auch die religiöse Bedeutung der Kathedrale Notre Dame und über die Frage, wie es nun weitergeht. Notre Dame wird ja wieder aufgebaut, hat der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schon am Abend des Brandes versprochen.

Doch wie funktioniert so ein Wiederaufbau? Und was bedeutet die Kathedrale Notre Dame für Katholikinnen und Katholiken, aber auch für andersgläubige Menschen? Auch Kirchenvertreter haben ja mit Bestürzung und Anteilnahme auf den Brand reagiert. Der Pariser Erzbischof Michel Aupetit hat zum Gebet für die Rettung der Kathedrale aufgerufen. Auf einer Straße nahe der Kirche singen am Abend Dutzende Menschen „Ave Maria“. Sie knien, stehen - singen im Chor, einige haben einen Rosenkranz in der Hand. Der Vatikan erklärte am Dienstag, Papst Franziskus bete „für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris“.

In Notre Dame haben sich über Jahrhunderte Baustile, Kunstgeschichte und bedeutende historische Ereignisse vereint, die den europäischen Kontinent mitprägten," schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx. Mit dem Feuer sei das Herzstück des katholischen Glaubens in Paris ebenso getroffen worden wie eines der Wahrzeichen ganz Frankreichs und Europas.

Die Drusen – Geheimreligion im Nahen Osten vor der Zerreißprobe

Sie zählen zu einer der letzten kleinen Geheimreligionen im Nahen Osten - und als eine solche Minderheit sind die sogenannten Drusen in den vergangenen Monaten und Jahren massiv in Bedrängnis geraten. Die meisten von ihnen leben im Libanon, in Syrien und in Israel. In Syrien haben sie lange versucht, sich im Krieg neutral zu verhalten, sind aber zuletzt ebenfalls Opfer massiver Gewalt geworden. In Israel fühlen sie sich und ihre Rechte durch das neue Nationalitätengesetz, das Israel zum ausschließlich „jüdischen Staat“ erklärt, bedroht. Politisch stehen sie da wie dort vor einer Zerreißprobe - aber das ist nicht das erste Mal in ihrer langen Geschichte. Mit Abschottung und Taktik hat es die drusische Gemeinschaft über Jahrhunderte der Verfolgung hinweg geschafft zu überleben. Die Chancen sind auch dieses Mal intakt.

Wer ist diese Gruppe, die Volk und Religion untrennbar verbindet, die aus dem schiitischen Islam hervorgegangen ist, aber an Wiedergeburten glaubt? Kerstin Tretina hat bei Expertinnen und Experten sowie bei Drusen, die im Zuge des Syrien-Krieges nach Österreich geflohen sind, nachgefragt.

Islam in Indonesien - Zwischen Pancasila und Sharia

Lange galt es als Musterland des moderaten Islam und des friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen: Indonesien. Ein Bild, das etwas ins Wanken gekommen ist. Im weltgrößten Inselstaat mit den meisten muslimischen Einwohnerinnen und Einwohnern weltweit finden am Mittwoch, 17. April, Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt.

In der Verfassung verankert ist die Staatsideologie „Pancasila“, in der unter anderem Demokratie, Humanismus und soziale Gerechtigkeit festgeschrieben sind. Mehr als 85 Prozent der Einwohner sind muslimisch, als religiöse Minderheiten anerkannt sind Christentum, Buddhismus und Hinduismus, die jüdische Community ist sehr klein.

Mit der Demokratisierung des Landes seit dem Ende der Suharto-Diktatur sind aber auch die Islamisten stärker geworden. Westliche Beobachter sehen die Entwicklungen durchaus mit Sorge. Als Gast der Österreichischen Akademie der Wissenschaften war der Islam- und Politikwissenschaftler Noorhaidi Hasan von der Islamic State University Yogyakarta kürzlich in Wien und hat die jüngsten Entwicklungen aus seiner Sicht analysiert. Gestaltung: Judith Fürst

Moderation: Alexandra Mantler

Praxis 17.4.2019 zum Nachhören (bis 16.4.2020):

Buchhinweis:

Susanne Binder, Gebhard Fartacek (Hg.), „Facetten von Flucht aus dem Nahen und Mittleren Osten“, Facultas

Mehr dazu:

Syrische Drusen zwischen den Fronten
(religion.ORF.at/APA/AFP; 31.7.2018)

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