Werden wie die Kinder

Bernhard Pesendorfer hat sich für diesen Ostersonntag Gedanken gemacht über die Fähigkeit den Staunes. Als Kinder- und Jugendseelsorger erkennt er, dass Ostern die Offenheit des Kindes braucht.

Morgengedanken 21.4.2019 zum Nachhören (bis 20.4.2020):

Ein mageres, kleines Mädchen in ärmlicher Kleidung folgt mit großen Augen einem hellen Falter, der soeben geschlüpft ist. Vorbei geht es an Trümmerbergen des Krieges, der die Stadt des Mädchens zerstört hat.

Pater Bernhard Pesendorfer
ist Superior der Lazaristen in der Mariengasse in Graz und Diözesanseelsorger Junge Kirche

Ein Blick des Staunens

Blicke von Erwachsenen folgen ihr, Blicke des Neides und der Resignation. Sie aber folgt aufmerksam dem Flug des Falters, bis dieser sich in die Höhe schwingt und ihrem Blick entschwindet. Für einen Moment traurig, blickt das Mädchen zu Boden und sieht etwas blinken. Es ist das Bruchstück eines Spiegels. Sie hebt es auf, blickt hinein und beginnt wieder zu staunen. Für einen Moment erkennt sie die Leichtigkeit und das Leben des Falters, dem sie gefolgt ist, in ihrem eigenen Gesicht. Sie schaut wieder in den Himmel, dem Falter nach und geht lächelnd ihren Weg.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr das Himmelreich nicht schauen“, sagt uns Jesus. Ostern braucht einen Blick des Staunens, diese große Fähigkeit, gerade der ärmsten Kinder. Wenn wir staunend hinausgehen, werden wir trotz der Trümmer und vergrämten Blicke der Welt dem guten Leben folgen können. Erhaschen wir dann einen Blick in den Spiegel, werden auch wir lächelnd hingehen auf Hoffnung hin, dann werden auch wir „auferstehen“.