Strukturen im frühen Christentum

Am 4. Mai ist Wahltag - in der evangelisch-lutherischen Kirche wird auf demokratische Art und Weise ein neuer Bischof ermittelt. Gewählt wurde in der Kirche schon vor Jahrtausenden, berichtet Jutta Henner.

Morgengedanken 2.5.2019 zum Nachhören (bis 1.5.2020):

Auf der Suche nach biblischen Berichten über Wahlen in Leitungsfunktionen und Ämter, über Kandidatensuche und Wahlvorgänge, wird man im Neuen Testament, insbesondere in der Apostelgeschichte des Lukas, fündig. Sie erzählt, wie sich die früheste Christenheit zunächst in Jerusalem angesichts ihres starken Wachstums Strukturen gibt und Menschen besondere Verantwortung überträgt.

Jutta Henner
ist evangelische Theologin und Direktorin der Bibelgesellschaft

„Voll Geistes und Weisheit“

Ein schönes Beispiel für eine Wahl gleich mehrerer Kandidaten findet sich im 6. Kapitel der Apostelgeschichte, dort in den Versen 1 - 7. Angesichts des Wachstums der Urgemeinde und angesichts der Vielzahl der Aufgaben wird deutlich, dass selbst das kollegiale Gremium der Apostel nicht im Stande ist, allein alle Verantwortung zu tragen. Ihr Kernauftrag bleibt Gebet und Predigt. Die sozialen Aufgaben der Sorge für die Armen sollen andere übernehmen. Als Kriterien für eine mögliche Wählbarkeit gelten Zugehörigkeit zur Gemeinde, „ein guter Ruf“ sowie dass die Kandidaten „voll Geistes und Weisheit sind“.

Sieben Männer werden, so heißt es, von der ganzen Menge gewählt und unter Handauflegung und Gebet zu ihrem Dienst bestätigt. Einer von ihnen ist Stephanus, der erste, der für seinen christlichen Glauben mit seinem Leben bezahlen muss. Offenkundig wurde die rechte Wahl getroffen, denn so ist nachzulesen: „das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger wurde sehr groß...“ (Apg 6, 7a)