Kein Fasten auf der Reise

Vor ein paar Jahren, als der Ramadan noch im Juli begann, lag der erste Fastentag am Tag der Rückreise aus dem Urlaub in Ägypten.

Gedanken für den Tag 7.5.2019 zum Nachhören (bis incl. 6.5.2020):

Auf der Reise braucht man bekanntlich nicht fasten. Und doch beherrschte uns der Wunsch, gerade diesen ersten Tag nicht zu verpassen. Für uns wäre ja alles ganz entspannt. Sich gemütlich zum Flughafen fahren lassen, bequem sitzend auf den Flug warten, endlich über den Wolken schweben. Auch kein Stress bei der Ankunft – Taxi bestellt und zu Hause alles bereit.

Carla Amina Baghajati
ist Schulamtsleiterin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Er will es uns leicht machen

Dagegen die Hotelangestellten, die im Fastenmodus wie sonst auch gegenüber den Touristen gute Laune versprühen. Am Pizzaofen, beim Kofferschleppen und Chauffieren der Gäste in der Anlage. Geduld mit lästigen Gästen, die besser nicht merken sollen, dass da Ramadan gehalten wird. Würde ja auch zum Urlaubsfeeling nicht passen. Für die Kellner gibt’s rasch ein paar Datteln und Wasser zu Sonnenuntergang, aber sonst müssen die Gäste beim Abendessen bedient werden. Erst danach kommen sie endlich zum richtigen Essen. Da hätten wir uns geradezu geschämt, nicht auch mit dem Fasten anzufangen.

Es fing auch ganz romantisch an – Suhur, die letzte Mahlzeit vor der Morgendämmerung am Strand. Morgengebet mit dem Duft von Meer in der Nase. Harmonie. Sich mit der Schönheit der Schöpfung verbunden fühlen.

Buchhinweis:
Carla Amina Baghajati, „Muslimin sein - 25 Fragen, 25 Orientierungen“, Verlag Tyrolia

Die Lunchpakete des Hotels wurden also dankend zurückgegeben und wir brachen auf zur Heimreise. Zunächst lief alles wunderbar. Später auf dem Flug machte sich auf einmal leichte Übelkeit bemerkbar. Aber, so dachten wir, das ist ja keine richtige Krankheit, dass man abbrechen müsste… Wäre ja schade, wenn man den ganzen Tag nachholen muss, wo nur mehr ein paar Stunden fehlen.

Schließlich ging es aber nicht mehr. Wir hatten unterschätzt, dass mit Druckausgleich und mehr Durst beim Fliegen der Körper sein Recht verlangte. Die Lehre daraus? Nicht den Helden spielen wollen, sondern dankbar annehmen, dass Reisende vom Fastengebot ausgenommen sind. Seither erzähle ich dieses Erlebnis auch gerne in der Schule. Das ist übertragbar zum Beispiel für Klassenfahrten, wo man für die gesamte Dauer als Reisende gilt, und nicht nur beim Benutzen der Verkehrsmittel.

Wie Gott im Koran sagt: ER will es uns leicht machen, nicht schwer.

Musik:

Marc Sinan/Gitarre und Julia Hülsmann/Piano: „Son Taksim“ von Julia Hülsmann
Label: ECM Records 2076 / 1773154