„Von Müttern, Staubsaugern – und roten Rosen“

Muttertagsgedichte höre ich von meinen drei Töchtern genug. Aber der Muttertag als politisches Fest? Bei den zwei Begriffen „Mutter“ und „Politik“ denke ich reflexartig: Nein! Bitte keine Sonntagsreden aus der Politik, die nichts an der oft ungerechten Lebensrealität von Müttern ändern.

Zwischenruf 12.5.2019 zum Nachhören (bis 11.5.2020):

Klassisch sieht das Frauenbild aus, wenn ich das Wort „Muttertag“ höre. Irgendwie denke ich an eine Art Staubsaugerwerbung aus dem Jahr, sagen wir, 1959. Die Mutter trägt eine frisch gebleichte und vermutlich auch gestärkte Schürze. Sie ist froh über die Entlastung im Haushalt durch die relativ neue, von Männern erfundene Technik. Was kann sich die Mutter eigentlich mehr wünschen als einen Mann, der ihr dieses Gerät kauft?

Monika Slouk
ist Moderatorin, Kommunikationstrainerin und Pressesprecherin der Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare

186 Millionen Euro Umsatz

Auch, wenn die meisten europäischen Haushalte inzwischen mit Staubsaugern gesegnet sind (mit mehr oder weniger Watt, je nach dem Kaufdatum vor oder nach Inkrafttreten der EU Staubsauger-Verordnung) und sich viele Frauen den Staubsauger inzwischen selbst kaufen: Männer, die SICH selbst einen Staubsauger kaufen, sind eher selten, außer sie leben in einer Männer-WG. Und das Frauenbild der Muttertagswerbungen entspricht in etwa der weißbeschürzten Dame aus dem Jahr 1959.

Selbst wenn Haushaltsgeräte als Muttertagsgeschenk heutzutage einen fahlen Nachgeschmack haben: 186 Millionen Euro erwartet der österreichische Handel in diesem Jahr an Muttertags-Umsatz. Beliebt sind neben Blumen auch Schmuck, Wohnaccessoires und Parfüms. 186 Millionen Euro - das ist die drittgrößte Summe nach Weihnachten und Ostern, informiert die Wirtschaftskammer. Ostern?!, frage ich mich. Das ist doch gerade erst vorbei. Die Geschenke sind vielleicht noch gar nicht alle umgetauscht. Der Kapitalismus schafft es, lernten wir mal an der Uni, selbst systemferne oder systemkritische Bewegungen so zu integrieren, dass sie ihn schließlich stärken und nähren. Ein hübsches Beispiel ist der seit vielen Jahren boomende Handel mit Ostalgie-Produkten, also Dingen, die an die ach so schöne Zeit des Kommunismus in Europa erinnern.

Frauentag und Muttertag

Anna Marie Jarvis gilt als die US-amerikanische Mutter des Muttertags. Sie war eine evangelisch-methodistische Christin und wollte ihre Dankbarkeit zeigen: ihrer damals bereits verstorbenen Mutter gegenüber – aber auch Gott gegenüber, dass er ihr eine liebevolle Mutter geschenkt hatte.

Zwischenruf
Sonntag, 12.5.2019, 6.55 Uhr, Ö1

Interessant ist, dass wir gegenwärtig denken, der Muttertag wäre für Mütter am Herd, während der internationale Frauentag am 8. März für emanzipierte Frauen mit und ohne Kinder wäre. Die Ursprünge der beiden Tage liegen beide in der Frauenbewegung, wenn auch aus verschiedenen politischen Richtungen. Es war damals noch nicht verpönt, Mutter UND feministisch engagierte Frau zu sein. Heute muss man sich – politisch betrachtet – oft für eines von beiden entscheiden. Und der internationale Frauentag sah vor seiner Wiederentdeckung in kapitalistischen Ländern mindestens so klischeehaft aus wie unser Muttertag.

Keine roten Rosen!

Das hübscheste aller hübschen Kinderfotos meines Mannes, der in der Tschechoslowakei aufgewachsen ist, trägt die schwungvolle Aufschrift „Zum internationalen Frauentag“ und wurde der Mama zu diesem Anlass geschenkt. Männer schenkten an diesem Tag ihren Arbeitskolleginnen Blumen, den Alkohol tranken sie selbst, häufig begleitet von eindeutigen Trinksprüchen. Also – auch Männer können das, wofür der Kapitalismus berüchtigt ist: sich kritische Bewegungen zum eigenen Nutzen dienlich zu machen. Sorry, Männer.

Falls Sie eine Geschenksempfehlung zum Muttertag suchen: Schenken Sie keine roten Rosen!, schreibt ein Internet-Ratgeber. Denn diese passen nicht zum Muttertag. Sie stehen nämlich für Liebe und Leidenschaft. Aha, denke ich mir. Und weiß alles.