Von der Musik und ihrer Wirkung

Der gestrige Abend mit dem Eurovision Song Contest stand ganz im Zeichen der Musik. Was der heutige Sonntag in den Kirchen mit Musik zu tun hat – ganz besonders in den evangelischen Gottesdiensten, erzählt Olivier Dantine.

Morgengedanken 19.5.2019 zum Nachhören (bis 18.5.2020):

In diesem Jahr ist es ein schöner Zufall, dass der Eurovision Song Contest am Abend vor dem Sonntag Kantate stattfand. „Kantate“, steht lateinisch für „singet“ und so lautet das Motto des heutigen Sonntags „Singet dem Herrn ein neues Lied“.

Olivier Dantine
ist Superintendent der evangelisch-lutherischen Kirche für Salzburg und Tirol

„Wer singt, betet doppelt“

Ich bin kein besonders begabter Musiker. Aber ich singe gerne und musiziere gerne auf meinem Fagott, am liebsten zusammen mit anderen. Das Musizieren ist ein besonderes Erlebnis. Da wird spürbar, dass es außer dem Leben hier und jetzt, über den Alltag hinaus noch so viel mehr gibt. In gewisser Weise hat das Musizieren etwas Religiöses an sich. Denn es bringt etwas in mir zum Schwingen, was ich nicht mit Händen greifen kann, was auch über die sichtbare Welt hinausweist. Deswegen ist es auch kein Wunder, dass sich nahezu alle Religionen auch in Musik ausdrücken.

Von melodischem Rezitieren Heiliger Texte über einfache Gesänge bis hin zu großen Werken der Kirchenmusik, etwa von Johann Sebastian Bach. In den christlichen Kirchen ist Gottesdienst ohne Musik nicht denkbar. Das soll der heutige Sonntag in den evangelischen Kirchen besonders zum Ausdruck bringen. Wenn ich singe, lasse ich mich nicht einfach nur von Worten berieseln, sondern nehme aktiv Teil am Lob Gottes. Es wird mir dann bewusst, warum es heißt, „wer singt, betet doppelt.“