Brücken bauen

Wir alle sind irgendwo Fremde auf dieser Welt. Gemeinsames Singen kann einen großen Beitrag dazu leisten, Brücken zu bauen.

Morgengedanken 21.6.2019 zum Nachhören (bis 20.6.2020):

„Ich bin anders als die da!“ Dieses Gefühl hat wohl jede und jeder schon einmal gehabt. Vor kurzem war ich in Rumänien bei einer Konferenz von evangelischen Christen und Juden aus verschiedenen europäischen Ländern. Wir haben einander unsere eigenen Fremdheitserfahrungen erzählt. Die einen fühlen sich manchmal fremd im eigenen Land, weil sie eine andere Muttersprache haben als die Mehrheitsbevölkerung. Die anderen hatten schon als Kinder das Gefühl, irgendwie anders als die Mehrheit zu sein, wegen ihrer Religion, wegen ihrer Essensgewohnheiten, wegen ihrer Interessen.

Roland Werneck
ist evangelisch-lutherischer Pfarrer in Wels in Oberösterreich

Gemeinsamer Gottesdienst

Fremdheitserfahrungen können dazu führen, dass Menschen sich dauerhaft als Außenseiter ausgegrenzt fühlen. Aber das muss nicht so sein. Das Gefühl von Fremdheit kann auch überwunden werden. Ich habe das auf der Konferenz in Rumänien erlebt. Wir Teilnehmer waren zu einem jüdischen Gottesdienst in einem Altenheim eingeladen. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern haben wir gesungen und gebetet. Manche Lieder waren für mich fremd, andere sehr vertraut. Beim Teilen von Brot und Wein spielten die Sprachprobleme keine Rolle.

Am meisten berührt hat mich der Moment, als der Rabbiner zusammen mit drei alten Männern, die den Holocaust überlebt haben, ein hebräisches Lied angestimmt hat. Der Text lautet übersetzt: Die ganze Welt ist eine schmale Brücke, aber das Wichtigste ist, sich nicht zu fürchten.