Brot des Lebens

Themen: Spiritualität des Essens; Fronleichnam in Hallstatt; Bibelessay von Josef Schultes

Brot des Lebens – Spiritualität des Essens

Essen als Kommunikation mit dem Göttlichen. Dieser Gedanke findet sich in vielen Religionen der Welt – und wird im Besonderen am katholischen Fronleichnamstag bedacht, dem Festtag des Altarsakraments. Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen vrône lîcham, „des Herren Leib“ ab. Das Fest ist grundgelegt in der Feier des jüdischen Pessach-Mahles, zu dem Jesus seine Jünger kurz vor seinem Tod versammelt hatte, und bei dem er ihnen, gemäß biblischem Bericht, aufgetragen hat, künftig bei einem gemeinsamen Mahl seiner zu gedenken. Er werde bei solchen Feiern immer in geheiligtem und gewandeltem Brot und Wein gegenwärtig sein. Seit dem 13. Jahrhundert wird an diese Gegenwart auch in einem eigenen Fest, Fronleichnam, erinnert – und zwar bewusst nach Abschluss des Osterfestkreises inklusive Christi Himmelfahrt.

Lebenskunst
Donnerstag, 20.6.2019, 7.05 Uhr, Ö1

Um die generelle Heiligkeit von Speisen und die Spiritualität der Nahrungsaufnahme dreht sich in LEBENSKUNST an diesem Feiertag ein breit angelegter Streifzug durch verschiedene religiöse Traditionen der Welt: neben Christentum auch Buddhismus, Hinduismus und Sufismus, einer mystischen Strömung des Islam. Überall dort ist Essen, auch im Alltag ein besonderer Akt. Die einen sagen, dass Essen ein Geschenk der Götter sei; andere wieder meinen überhaupt, dass man „Gott essen“ kann. – Gestaltung: Ursula Baatz

Der Mann im Salz, der See und der Leib Christi - Der alte Bergbauort Hallstatt, sein spezielles Fronleichnamsfest und seine Geschichte

Seit 1623 erlebt Hallstatt jedes Jahr zu Fronleichnam eine Prozession der besonderen Art – oder genauer gesagt: der Hallstätter See. Der kleine Bergbauort im österreichischen Salzkammergut ist so beengt, dass er lange Zeit nur per Boot erreichbar war. Also musste auch die Prozession zu Fronleichnam auf das Wasser verlegt werden – ein religiöses und zugleich touristisches Spektakel.

Hallstatt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Seit mindestens 3.500 Jahren ist der Salzbergbau in der Region nachweisbar. Das machte den kleinen Ort so bedeutend, dass ein ganzer Abschnitt der sogenannten „Eisenzeit“ nach Hallstatt benannt worden ist. Legendär ist auch ein Fund im Jahr 1734: Aus dem Salz konnte damals der ausgesprochen gut konservierte Leichnam eines Mannes mit Haut, Haar und Kleidung geborgen werden. Damals wurde er umgehend bestattet – heute wird vermutet, dass der „Mann aus dem Salz“ bereits lange vor Christi Geburt gelebt hatte.

In der Zeit der Reformation war Hallstatt – wie viele entlegene Bergregionen – vorwiegend protestantisch. In der Gegenreformation mussten daher viele Hallstätterinnen und Hallstätter ihre Heimat verlassen. Heute hingegen leben die Konfessionen friedlich miteinander. – Gestaltung: Wolfgang Slapansky und Markus Veinfurter

Viele Speisenwunder in der Bibel - Bibelessay zu Lukas 9,11b–17

Sie ist ein Topos in Märchen und Sagen: die wundersame Speisung… Breitöpfe oder Vorratskeller, die auf geradezu magische Weise nicht leer werden. Auch in der Bibel findet sich etwas davon wieder, auch wenn es hier nicht um Magie, sondern um die Kraft des Glaubens und so etwas wie eine göttliche Großzügigkeit geht. Am katholischen Fest Fronleichnam, an dem der laut Glaubenslehre in Brot gewandelte Leib Jesu im Zentrum steht, geht es in den katholischen Kirchen auch im Feiertagsevangelium um Brot. Für LEBENSKUNST hat der katholische Bibelwissenschaftler Josef Schultes dazu einen Radioessay gestaltet.

Bibelessay zu Lukas 9,11b-17

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 20.6.2019 zum Nachhören (bis 19.6.2020):