Emotionale Intelligenz

„Herzensbildung“ ist ein altmodisches Wort. viel zeitgemäßer klingt da der Begriff „Emotionale Intelligenz“. Und doch hat Angelika Pressler ihre Probleme mit dieser Wort-Neuschöpfung.

Morgengedanken 26.6.2019 zum Nachhören (bis 25.6.2020):

Gibt man im Internet den Begriff „Herzensbildung“ ein, dann gelangt man sehr schnell auf Seiten, die sich mit einer – wie es heißt – zeitgemäßen Übersetzung von Herzensbildung beschäftigen: nämlich mit der sogenannten „Emotionalen Intelligenz“. Darunter versteht man, vereinfacht formuliert, die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt (was auch immer das heißt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Sie kann – man höre und staune – gemessen, kategorisiert und in Kennzahlen gegossen werden. Sie kann man demnach trainieren und optimieren, mit dem Zweck, erfolgreicher zu sein, ganz besonders im beruflichen Alltag.

Angelika Pressler
ist Theologin und Psychotherapeutin in Salzburg

Werte wie ein Herzschrittmacher

Emotionale Intelligenz, das klingt nüchterner als Herzensbildung, kälter, rationaler und ist insbesondere managementtauglich. Nicht umsonst hat der Begriff in den Führungsetagen von Personalabteilungen fröhlichen Einzug gehalten und neue Geschäftszweige für Organisations- und Führungsentwicklung eröffnet. Was dabei die Kehrseite der Medaille ist: Emotionale Intelligenz und damit auch die Entwicklung sozialer Kompetenzen kann zum Mittel der Manipulation werden. Was mir dabei etwas zu kurz kommt, das ist die Zielrichtung. Wohin soll es denn gehen? Was ist der Zweck?

Herzensbildung meint noch etwas anderes. Ihr Fundament sind Werte und Einstellungen, wie z.B. Solidarität oder Gerechtigkeit. Und diese sind wie ein Herzschrittmacher, der uns unterstützt, damit wir unsere sozialen Fähigkeiten wie Mitmenschlichkeit, Achtsamkeit, menschliche Güte und Hilfsbereitschaft ins Leben bringen können.