„Maria im Seewinkel und der Sommer ´89“

Ein Besuch im burgenländischen Wallfahrtsort Frauenkirchen: Im Sommer 1989 - vor 30 Jahren – wurde das Burgenland zu einer Art „Probebühne“ der Weltpolitik: An der Grenze zwischen Österreich und Ungarn zeigten sich erste Löcher im jahrzehntelang scheinbar unüberwindbaren „Eisernen Vorhang“.

Tausende Bürgerinnen und Bürger der seinerzeitigen „Deutschen Demokratischen Republik“ machten sich im Sommer 1989 einfach auf den Weg. Von ihren Urlauborten am Balaton zogen sie in den Westen – und wurden so zum Anfang vom Ende des „Ostblocks“.

Frauenkirchen Basilika

ORF/Markus Veinfurter

Die Basilika von Frauenkirchen im burgenländischen Seewinkel - „Maria auf der Heide“ oder auch „Maria über dem See“ genannt.

Memo
Donnerstag, 15.8.2019, 19.05 Uhr, Ö1

Traditionsreicher Wallfahrtsort und jüngere Geschichte

Nur wenige Kilometer von der einst „toten Grenze“ entfernt, im Seewinkel, liegt der Wallfahrtsort Frauenkirchen, seit dem 17. Jahrhundert die jüngste der jüdischen „Siebengemeinden“ im Burgenland und noch einige Jahrhunderte länger Marien-Wallfahrtsort. Urkundlich erwähnt wird der Wallfahrtsort zum ersten Mal 1324. Das Gnadenbild ist eigentlich nur ein Stück Holz, auf das eine „Maria lactans“, eine stillende Gottesmutter, gemalt ist. Nach zweimaliger Zerstörung durch osmanische Truppen steht heute eine prachtvolle Barockbasilika in Frauenkirchen (fertiggestellt im Jahr 1702, finanziert von der Familie Esterhazy).

Frauenkirchen Gnadenbild Maria lactans

ORF/Markus Veinfurter

Das alte Gnadenbild von Frauenkirchen, das die Zerstörung der damaligen kleinen Kapelle durch die Türken im Jahr 1529 unbeschadet überstanden hat. Es zeigt eine stillende Muttergottes („Maria lactans“) – und ist zugleich theologisch höchst rätselhaft: Maria spritzt nämlich die Muttermilch in die Augen des Jesuskindes.

Am katholischen Fest der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ (in anderen christlichen Traditionen schlicht „Entschlafung Mariens“ genannt) lädt die Reihe „MEMO – Ideen, Mythen, Feste“ zu einem Streifzug durch den traditionsreichen Wallfahrtsort im Seewinkel ein – und durch ein Kapitel der jüngeren Geschichte Österreichs, das fast schon ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

Gestaltung: Markus Veinfurter

Memo 15.8.2019 zum Nachhören (bis 14.8.2020):