Die Wüste ist schön

Als wir stundenlang schweigend dahingezogen waren, brach die Nacht herein, und die Sterne begannen zu leuchten. Ich sah sie wie im Traum, ich hatte ein wenig Fieber vor Durst. Die Worte des kleinen Prinzen tanzten durch mein Bewusstsein:

Gedanken für den Tag 23.7.2019 zum Nachhören (bis 22.7.2020):

„Du hast also auch Durst?“, fragte ich ihn.
Er antwortete nicht auf meine Frage. Er sagte einfach:
„Wasser kann auch gut sein für das Herz..."
Ich verstand seine Worte nicht, aber ich schwieg ... Ich wusste gut, dass man ihn nicht fragen durfte.
Er war müde. Er setzte sich. Ich setzte mich neben ihn. Und nach einem Schweigen sagte er noch:
"Die Sterne sind schön, weil sie an eine Blume erinnern, die man nicht sieht ...“

Manuel Rubey
ist Schauspieler. Er liest den Text von Antoine de Saint-Exupéry

Was die Schönheit ausmacht...

Ich antwortete: „Gewiss“, und betrachtete schweigend die Falten des Sandes unter dem Monde.
„Die Wüste ist schön“, fügte er hinzu...
Und das war wahr. Ich habe die Wüste immer geliebt. Man setzt sich auf eine Sanddüne. Man sieht nichts. Man hört nichts. Und währenddessen strahlt etwas in der Stille.
„Es macht die Wüste schön“, sagte der kleine Prinz, „dass sie irgendwo einen Brunnen birgt.“

Ich war überrascht, dieses geheimnisvolle Leuchten des Sandes plötzlich zu verstehen. Als ich ein kleiner Knabe war, wohnte ich in einem alten Haus, und die Sage erzählte, dass darin ein Schatz versteckt sei. Gewiss, es hat ihn nie jemand zu entdecken vermocht, vielleicht hat ihn auch nie jemand gesucht. Aber er verzauberte dieses ganze Haus. Mein Haus barg ein Geheimnis auf dem Grunde seines Herzens.

„Ja“, sagte ich zum kleinen Prinzen, „ob es sich um das Haus, um die Sterne oder um die Wüste handelt, was ihre Schönheit ausmacht, ist unsichtbar!“ „Ich bin froh“, sagte er, „dass du mit meinem Fuchs übereinstimmst.“

Buchhinweis:

Antoine de Saint-Exupéry, „Der Kleine Prinz“, Karl Rauch Verlag

Link:

Manuel Rubey

Musik:

Franciso „Pancho“ Navarro/Gitarre und Original Filmorchester unter der Leitung von Stephen Mercurio: „The departure“ aus: Frida / Original Filmmusik von Elliot Goldenthal
Label: DG/Universal Classics 4741502