Kinderarbeit

Ich bin Vater von drei Kindern. Meine älteste Tochter beschäftigen zurzeit ihre Bastelideen und ihr Akkordeon. Unser 6-Jähriger beschäftigt sich am liebsten mit Traktoren und Lego-Fahrzeugen. Die Kleinste kann sich stundenlang in ihrer Spielküche beschäftigen.

Zwischenruf 28.7.2019 zum Nachhören (bis 27.7.2020):

Wie anders die Lebenswelten von Kindern anderswo: Die 12-jährige Alice schürft im Norden Ghanas in sengender Hitze ohne jeglichen Schutz nach Gold und kann nicht zur Schule gehen. Salma aus Indien musste schon als 9-Jährige ganze Tagesschichten am Webstuhl sitzen. Es ist eine grausame Tatsache, dass auch im Jahr 2019 noch immer Kinder unter brutalsten Bedingungen arbeiten müssen. Weltweit sind es rund 73 Millionen.

Herbert Wasserbauer
ist Projektreferent der Dreikönigsaktion

Fehlende Sozialsysteme

Meist sind Armut und fehlende Sozialsysteme der Grund, dass Kinder etwas zum Familieneinkommen beitragen müssen. Armut ist oft erblich. Wer selbst nie eine Chance hatte und als Kind gearbeitet hat, muss oft auch seine eigenen Kinder wieder arbeiten lassen. Kinderarbeit tritt besonders häufig bei ohnehin schon an den Rand gedrängten Bevölkerungsgruppen auf und dann, wenn Katastrophen, Krankheiten, Konflikte und Flucht die sozialen Sicherungsnetze zerschlagen.

Ich arbeite für die Dreikönigsaktion, das Hilfswerk der Katholischen Jungschar. Das Wohl von Kindern ist uns ein besonderes Anliegen. Dank der Spenden, die Sie den Sternsinger/innen in die Kassa geben, unterstützen wir Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Ein Beispiel: Das engagierte Team von BSA in West Bengalen (Indien) spürt illegale Fälle von Kinderarbeit auf, z. B. wenn Kinder im Tourismus Teller waschen oder putzen müssen, und sorgt für die Befreiung der arbeitenden Kinder. Es wird versucht, sie zu ihrer Familie zurückzuführen und dass sie wieder zur Schule gehen. Wenn nötig, bekommen sie einen Rechtsbeistand. Kinder, die ohne Familie dastehen, werden in einem Kinderschutzzentrum betreut.

Preisdruck am Weltmarkt

Kinderarbeit hat aber auch etwas mit uns hier in Österreich zu tun: In vielen Produkten, die wir täglich nutzen und konsumieren, kann ausbeuterische Kinderarbeit stecken: etwa in der Schokolade, im Wohnzimmerteppich, im neuen Smartphone. Aufgrund des enormen Preisdrucks am Weltmarkt arbeiten nach wie vor viele Kinder in der Kakaoernte in Westafrika. Ihre Arbeitskraft ist billig. In großen Teppich-Knüpfereien in Indien sieht man - so die Berichte - kaum noch Kinderarbeiter/innen. Die Produktion wurde stark in „Heimarbeit“ ausgelagert und damit wurde die Kinderarbeit in Hinterhöfen versteckt und schwerer kontrollierbar gemacht. Im Kongo fehlt in vielen Regionen jegliche Staatlichkeit und Kinder schürfen unter haarsträubenden Bedingungen nach wertvollen Erzen, die Kobalt oder Tantal enthalten - ein essentieller Bestandteil unserer Hi-Tech Produkte.

Zwischenruf

Sonntag, 28.7.2019, 6.55 Uhr, Ö1

In unserer globalisierten Weltwirtschaft machen quer über den Globus laufende Lieferketten das Leid von Millionen Kindern für uns erst einmal unsichtbar. Papst Franziskus prangert dies immer wieder als die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ an. Er hält die biblische Frage: „Wo ist dein Bruder?“ dagegen. Wo sind unsere kleinen Schwestern und Brüder, von deren Ausbeutung wir profitieren? Und was können wir tun, damit sie spielen und lernen können, anstatt zu arbeiten?

Bessere Kontrolle

Wenn ich meinen eigenen Kindern einen Frühstückskakao anrühre, dann ist das einer mit dem FAIRTRADE Gütesiegel. Doch was ist mit komplizierten Lieferketten wie z.B. elektronischen Geräten? Um ausbeuterische Kinderarbeit aus diesen Produkten zu verbannen, braucht es hier bei uns Gesetze, die eine bessere Kontrolle von Herstellungsbedingungen verordnen. Dafür setzen wir uns als Dreikönigsaktion ein und fordern die bei der Nationalratswahl kandidierenden Parteien auf, entsprechende Maßnahmen in ihre Wahlprogramme aufzunehmen.

Auch Alice und Salma und all die anderen betroffenen Kinder sollen eine echte Kindheit haben und unter guten Bedingungen aufwachsen können: mit Schule, mit Spiel und ohne harte Arbeit.