Solidarität und Zusammenhalt

Frauenfreundschaften sind ja ein beliebtes Thema: in Filmen und Romanen und Serien.. Legendär die vier New Yorkerinnen aus „Sex in the City“. Doch schon in der Bibel findet sich eine sehr krisenfeste Frauenfreundschaft.

Morgengedanken 17.8.2019 zum Nachhören (bis 16.8.2020):

Eine Frau namens Noomi war vor dem Hunger ins Nachbarland geflohen. Dort bekam sie zwei Söhne, die geheiratet haben. Aber die Söhne sind gestorben und plötzlich gab es auch in der neuen Heimat den Hunger. Noomi musste wieder zurück. Eine der beiden Schwiegertöchter mit Namen Rut beschloss, sie zu begleiten. Sie wird in der Heimat der Noomi die Ausländerin, die Migrantin sein, ausgeschlossen und angefeindet. Noomi wusste genau, was kommen würde. Sie fragte ihre Schwiegertöchter: Warum wollt ihr mit mir gehen (Rut 1,11)?

Michael Bünker
ist evangelisch-lutherischer Bischof in Österreich

Sie rechnete also nicht damit. Es war gefährlich und unvernünftig. Aber Rut ließ sich nicht abbringen. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen, sagte sie (Rut 1,16). Doch die Frage der Noomi ist berechtigt. Solidarität und Zusammenhalt entstehen bestimmt nicht von allein. Warum sollte ich mich um meine Nachbarn kümmern? Hat nicht jeder und jede mit sich selbst und dem eigenen Leben genug zu tun? Mit ihrer einfachen Frage fragte Noomi zugleich, wie eine Gesellschaft zusammenhalten kann. Wenn jeder nur auf sich schaut, wird sie weiter auseinanderfallen. Ich bin froh, dass die Bibel viele Fragen stellt, die ganz großen und auch so einfache wie die von Noomi.