Die Kirche auf dem Grenzstreifen

Themen: Ausstellung über verschwundenes jüdisches Leben; Die Emmerichskirche zwischen Österreich und Ungarn; Achtsamkeit zur Stressreduktion; Bibelessay von Markus Schlagnitweit

Verschwundene Zentren jüdischen Lebens - Eine Erinnerungsausstellung bei ESRA

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat es in Wien, der drittgrößten jüdischen Gemeinde Europas, um die 600 Vereine gegeben, 300 Stiftungen, 26 Synagogen, 70 Bethäuser, Heime, Schulen, Kindergärten, eine Lehranstalt für angehende Rabbiner, Bibliotheken und Ausspeisungsküchen. Mit 1938 hat sich das massiv geändert; in der Zeit des Nationalsozialismus wurde geplündert, verbrannt, geräumt, demoliert. So auch der Übertitel der Ausstellung, die derzeit an einem historischen Platz zu sehen ist: dem Vorplatz des psychosozialen Zentrums ESRA in der Wiener Tempelgasse, das sich auf dem Ort des großen, ebenfalls zerstörten, Leopoldstädter Tempels befindet. Davor wurde die Ausstellung im Wiener Stadt- und Landesarchiv gezeigt. Lena Göbl hat sie sich jetzt in der Tempelgasse angesehen.

Die Kirche auf dem Grenzstreifen - Begegnungen 30 Jahre nach dem Sommer ´89

Vor genau 30 Jahren wurde ein weiterer Friedensschritt im zu tauen beginnenden Kalten Krieg vollzogen: Beim „Paneuropa-Picknick“ am 19. August 1989 wurde der vielzitierte „Eiserne Vorhang“ zwischen Österreich und Ungarn für drei Stunden gehoben. 600 bis 700 Bürgerinnen und Bürger der DDR nützten damals diese kurze Öffnung zur Flucht in den Westen; es war die größte Fluchtbewegung seit dem Bau der Berliner Mauer. Das „Paneuropa-Picknick“ gilt nachträglich als einer der Meilensteine auf dem Weg zum Ende der Diktatur im Osten Europas.

St. Emmerichskirche Burgenland Ungarn

ORF/Maria Harmer

St. Emmerichskirche an der ungarischen Grenze bei Inzenhof, Bezirk Güssing

Auch in der „Emmerichskirche“ auf einer Waldlichtung in der Nähe von Inzenhof im Südburgenland wird der Ereignisse vor 30 Jahren gedacht. 90 Jahre zuvor war die Kirche für drei Ortschaften im ehemaligen Westungarn gebaut worden. Die 1948 errichtete und schwer bewachte Grenze trennte die Ortschaften, und die Kirche verfiel zusehends. Mittlerweile wird in der Kirche auf ungarischem Grund in unmittelbarer Nähe der österreichischen Grenze wieder Gottesdienst gefeiert und es werden Konzerte aufgeführt, die grenzübergreifend besucht werden. Die Emmerichskirche gilt nunmehr als Denkmal für den Frieden und das Zusammenwachsen von Ost und West. Maria Harmer, die in den 1960er und 1970er Jahren in Güssing aufgewachsen ist, hat eine sehr persönliche Beziehung zu dieser Kirche im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich, von der sie in LEBENSKUNST erzählt.

„Bitte seien Sie achtsam!“ - Ein originär buddhistisches Konzept zur Stressreduktion

Selbst die Wiener U-Bahn hat ihn für sich entdeckt, den Wert der Achtsamkeit. Und so mancher und manche beginnt den Tag damit: Einfach nur da sein, sich öffnen für das Leben, achten auf den gegenwärtigen Moment. Nicht selten ein Ergebnis von Meditation und durchaus auch Gebet. Und oft wirksam gegen Burnout. Achtsamkeit ist als Methode der Konzentration und Meditation seit mehreren Jahren sehr gefragt, als Modewort mittlerweile freilich fast schon inflationär in Verwendung. Historisch gesehen entstammt das Konzept der Achtsamkeit dem Buddhismus.

Lebenskunst
Sonntag, 18.8.2019, 7.05 Uhr, Ö1

Als grundlegende Praxis der Meditation ist es den meisten Strömungen bekannt, wird aber besonders in der Theravada-Tradition Burmas geübt und weitergegeben. Dort wird sie Vipassana genannt. Aus den verschiedenen Formen der buddhistischen Achtsamkeitsübung haben sich in den 1960er und 1970er Jahren im sogenannten Westen unterschiedliche Adaptionen entwickelt, besonders für den medizinischen und psychotherapeutischen Bereich. Darunter auch die mittlerweile weltweit verbreitete Methode der „Achtsamkeitsbasierten Stressreduktion“. Kerstin Tretina über einen Trend und seine Auswirkungen.

Provokation statt fauler Friedensschlüsse - Bibelessay zu Lukas 12,49-53

Folgt man der katholischen Leseordnung für den „20. Sonntag im Jahreskreis“, so ist einer jener Evangelientexte vorgesehen, die so manche und manchen zutiefst irritieren mögen. Der biblische Text spiegelt die Erfahrung wieder, was passieren kann, wenn Menschen einen neuen Glauben finden, zu einer für ihre Umgebung nicht nachvollziehbaren Überzeugung kommen. Der Autor des Lukasevangeliums hat das gegen Ende des ersten Jahrhunderts so ausgedrückt: An Jesus scheiden sich die Geister, der Glaube an ihn kann zu Spaltung, ja zu Verfolgung führen. Gedanken dazu vom katholischen Theologen und Sozialethiker Markus Schlagnitweit.

Bibelessay zu Lukas 12,49-53

Moderation: Doris Appel

Lebenskunst 18.8.2019 zum Nachhören (bis 17.8.2020):

Hinweis:

Führungen, Verein „Rettet die St. Emmerichskirche“, Elfriede Jaindl, +43/3322/42098

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