Zur Ruhe kommen

Mittlerweile ist ja ein Modebegriff daraus geworden: Achtsamkeit. Fast ständig ist davon die Rede - vom bewussten Wahrnehmen der Umgebung zum Beispiel.

Morgengedanken 28.8.2019 zum Nachhören (bis 27.8.2020):

„Muße“ ist manchen nicht mehr geläufig. Für mich hat Muße viel mit „zur Stille kommen“ zu tun. Da ist der Urlaub eine ausgezeichnete Chance, Muße zu pflegen, zur Stille zu kommen.

Dietmar Stipsits
ist römisch-katholischer Pfarrer im Seelsorgeraum Bad Tatzmannsdorf, Bernstein und Mariasdorf

Stille aufsuchen

Ich merke selbst in meinem Leben, dass es gar nicht so leicht ist, diese Stille zu finden. Anfangs kann sich da viel Unruhe auftun oder so mancher Gedanke an Flucht, weil alles andere plötzlich wichtiger wird, als mir Zeit der Stille zu gönnen. Thomas Merton, der bekannte Dichtermönch, gibt mir eine gute Anleitung dazu. Er rät mir, Gottes Schöpfung ganz intensiv zu genießen: einen Berg mit seinem wunderbaren Ausblick, das Meer mit seinem beruhigenden Rauschen der Wellen, einen alten Eichenbaum mit seinen mächtigen Ästen, eine Rose in ihrer vollen Blütenpracht, ein Schmetterling in seiner Zartheit des Seins.

Muße erfahre ich, wenn ich – auch im Urlaub - die Stille aufsuche. Wenn ich zur Ruhe komme, kann ich jene tiefe Geborgenheit in mir entdecken, die meinem Leben Sinn schenkt. In der Stille auf meine innere Stimme hören, die Gottes Lebensmelodie in mir tagtäglich erklingen lässt.