Warum sich der Teufel schämt

„Sünd und Hölle mag sich grämen, Tod und Teufel mag sich schämen...“, heißt es in einem alten evangelischen Lied. Also gleich vorweggesagt: Ich glaube nicht an den Teufel als eine Art Gegenspieler von Gott, der sich mit ihm immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen liefert. Mit ungewissem Ausgang.

Gedanken für den Tag 28.10.2019 zum Nachhören (bis 27.10.2020):

Ich glaube auch nicht an den Teufel, der angeblich schuld ist, wenn Menschen tun, was sie nie tun sollten. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen es ganz allein, ohne Beihilfe eines mystischen Wesens schaffen, alle denkbar möglichen Grauslichkeiten zu begehen. Aber Jahrhunderte lang war der Glaube an den Teufel in den christlichen Kirchen mindestens so intensiv wie der Glaube an Gott.

Christine Hubka
ist evangelische Gefängnisseelsorgerin und Autorin

Den Teufel mit Tinte vertreiben

Wer die Wartburg besucht, wo Martin Luther in seinem Exil das Neue Testament übersetzt hat, bekommt auch sein Studierstübchen gezeigt. Dort ist an der Wand ein dunkler Fleck zu sehen. Angeblich hat der Reformator eines Tages voller Angst sein Tintenfass dem Teufel nachgeschmissen. Auch wenn die Geschichte mit dem Tintenfass ins Reich der Legende gehört, hat sich Luther, anders als ich, sehr wohl immer wieder vom Teufel bedroht gefühlt. Er hat da nicht dieses merkwürdige pelzige, gehörnte Wesen vor Augen gehabt, das Maler vieler Epochen kreiert haben. Sondern den Gegenspieler der Menschen, der ihre großen und kleinen Verfehlungen ans Licht zerrt und genüsslich vor Gott ausbreitet mit der hämischen Bemerkung: Schau was für üble Typen deine Geschöpfe sind. (Hiob 1)

Fasten, beten, beichten … alle Mittel haben versagt, um sich diesen Teufel mit seiner Anklage vom Leib zu halten. Nichts hat geholfen, musste der verängstigte Luther feststellen. Bis er eines Tages entdeckt hat: „Ich kann den Teufel mit Tinte vertreiben. Ich muss ihm nicht einmal ein Tintenfass nachschmeißen. Es genügt, dass ich das Neue Testament in die Sprache der einfachen Menschen übersetze. Mit Federkiel und Tinte.“ Denn dann können es alle selbst lesen: Die göttliche Liebe löst auch die ärgsten Verstrickungen des Menschen. Dem Teufel aber bleibt nichts anderes übrig, als sich zu schämen und zu verschwinden, weil er diese Liebe so sehr unterschätzt hat.

Musik:

Schwäbisch Metall unter der Leitung von Ulrich Köbl: „Quem pastores laudavere“ - „A Prelude and Fugue for Christmas“ für Blechbläser von Simon Wills, nach einer Melodie aus dem 14. Jahrhundert
Label: Oehms Classics OC828