Die Zukunft? - Das ist das gründlich andere

Zum Todestag von Christa Wolf. Christa Wolf, die auch im Westen wohl bekannteste und wirksamste Schriftstellerin der DDR wäre im März 2019 90 Jahre alt geworden. Am 1. Dezember vor acht Jahren ist sie gestorben.

Gedanken für den Tag 25.11.2019 zum Nachhören (bis 24.11.2020):

“Ein wichtiger Mensch hat diese Welt verlassen”, schrieb mir eine Freundin postwendend, nachdem ich ihr am 1.12.2011 die Nachricht vom Tod Christa Wolfs überbracht hatte. Wir wussten, wir werden sie vermissen, wie wir ihr Dasein und das Erscheinen jedes ihrer Bücher freudig begrüßt hatten. Noch am selben Tag fragte ich auch jüngere Menschen, wie sie die Nachricht aufgenommen hatten. Manche von ihnen gar nicht, viele weit weniger bewegt. Wie prägend das „generationenbreite Gelände“ doch ist, von dem Christa Wolf in ihren Frankfurter Poetik Vorlesungen spricht.

Ingrid Pfeiffer
ist Autorin, Germanistin und Erwachsenenbildnerin

Generationenbreites Gelände

Ihr umfangreiches Werk, das für die einen bis in einzelne Wortprägungen hinein zum festen, ja innigsten eigenen Bestand gehört, besteht für die anderen auf Distanz gewissermaßen.

Der Bruch, den ich damals wahrnahm, scheidet die beiden Jahrhunderte. Christa Wolf gehörte dem 20. Jahrhundert an, auch wenn ihr Leben über eine Dekade ins 21. herüberreichte. Ihr Leben und Werk waren dort verwurzelt, wovon die Jüngeren sich abstießen. Sie nahm all seine wichtigen Themen auf und bereitete nicht wenige davon vor. Die Leserinnen und Leser ihrer und auch der direkt auf sie folgenden Generationen wussten sich gemeint. Jörg Magenau, einer von Christa Wolfs Biografen, spricht von „Gemeindebildung“ und nennt Ostdeutsche, Frauen, traditionelle Linke, Grün-Alternative als Beispiele. Christa Wolf selbst sagte dazu: „Ich bin eine Figur, auf die man vieles projizieren kann.“

Die „Subjektwerdung des Menschen“ war ihr erklärtes, wichtigstes Ziel. Was sie mit ihrer Kunst und mit ihrem Engagement erreichte, war jedoch weit mehr als das Schaffen von zeitbedingten Identifikationsmustern. Wer sich auf ihr Werk einlässt, erfährt Zutrauen zu sich selbst und erhält zugleich ein „Zeitzeugnis“ der jüngsten und nach wie vor wirksamen Vergangenheit.

Musik:

„Altes Geld – Alpha“ von Kyrre Kvam
Label: ORF-Enterprise Musikverlag