Systemwandel durch „Chili con Buchweizen“

Ich stehe in der Küche und koche „Chili con Buchweizen“. Einen riesigen Topf. Meine Tochter feiert ihren 20. Geburtstag. Und sie feiert vegetarisch, tier- und klimafreundlich.

Zwischenruf 24.11.2019 zum Nachhören (bis 23.11.2020):

Wie viele ihrer Freundinnen und Freunde essen meine beiden Töchter kein Fleisch. Meine beiden Töchter fliegen auch nicht. Sie fahren Bahn, nicht Auto. Lebensmittel müssen „bio“, Kleidung „Second Hand“ oder „Fairtrade“ sein. Sowohl Papst Franziskus, Arnold Schwarzenegger wie auch Greta Thunberg hätten ihre Freude an ihnen.

Christian Herret
Experte für Öffentlichkeitsarbeit in der Dreikönigsaktion der katholischen Jungschar

UNO-Kinderrechtskonvention

Meine beiden Töchter sind keine Öko- oder Sozialromantikerinnen. Sie vertrauen der Wissenschaft und glauben an Grundwerte wie Gleichheit und Solidarität. Aber in der Welt, in der sie aufwachsen, zählt in erster Linie Profit. Mensch und Planet werden rücksichtslos ausbeutet.

Dabei haben wir ihnen, hat die Welt den Kindern, vor 30 Jahren ein großes Versprechen gegeben. Im November 1989, Jahre vor der Geburt meiner Töchter, wurden die Kinderrechte von der UNO verabschiedet. Darin heißt es: Das Wohl des Kindes hat Vorrang. Wann immer Entscheidungen getroffen werden, die sich auf Kinder auswirken können, muss das Wohl des Kindes vorrangig berücksichtigt werden. Obwohl die Wissenschaft vor einer Klimakatastrophe, die weite Teile der Welt unbewohnbar macht, eindringlich warnt, stellt die Politik weiterhin das Wirtschaftswachstum vor das Wohl der nächsten Generation.

Ein weiteres Grundprinzip beschreibt das Recht auf Gleichbehandlung: Kein Kind darf wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Der Global Gender Gap Report 2018 - so schreibt eine österreichische Tageszeitung - zeigt auf, dass es für die weltweite Gleichstellung zwischen Mann und Frau am Arbeitsplatz noch 202 Jahre brauchen wird, wenn sie in dem Tempo wie bisher vorangetrieben wird. Darauf zu warten zahlt sich nicht einmal für die ungeborenen Töchter meiner Töchter aus.

„Gebt den Kindern das Kommando“

singt Herbert Grönemeyer in seinem Klassiker „Kinder an die Macht“, „sie berechnen nicht was sie tun“. Das mag für die 1980er Gültigkeit gehabt haben. Die heute heranwachsende Generation hat leider auf die harte Tour lernen müssen, dass Erwachsene zwar gut mit Worten sind, aber dass diesen Worten oft keine Taten folgen. Damit sich etwas ändert muss man aktiv werden und die Sache in die Hand nehmen. Selbst ist die junge Frau, der junge Mann.

Zwischenruf
Sonntag, 24.11.2019, 6.55 Uhr, Ö1

Die Jugend von heute weiß, wenn sie eine lebenswerte Welt für sich und ihre Kinder will, braucht es Handeln mit Kalkül. Ein Beispiel dafür sind die Klimaaktivist/innen von „Fridays for Future“. Sie sind für mich keine Chaoten, sondern verantwortungsbewusste junge Menschen, die sich nicht auf die Lippenbekenntnisse der Politik verlassen, sondern ihre Zukunft bestimmen wollen und dafür auf die Straße gehen.

Religions for Future

Sogar die Religionsgemeinschaften folgen ihrem Vorbild: „Religions for Future“ nennt sich die Initiative. Christinnen, Muslime und Buddhistinnen rufen gemeinsam auf, sich in Wort und Tat mit aller Kraft für den Erhalt der Erde einzusetzen. Sie haben die radikalen Forderungen der globalen Jugendbewegung zur Gänze übernommen: Wenn ein auf ewiges Wachstum basierendes Wirtschaftssystem seine Versprechungen nicht halten kann, dann muss eben das System verändert werden.

„Kinder an die Macht“ - In der Familie Herret hat die nächste Generation schon übernommen. Und das bedeutet für den grauhaarigen alternden Fleischtiger-Hobbykoch in der Küche eben „Chili con Buchweizen“ statt „con Carne“.

Wenn es um ihre Zukunft geht – kennen meine Töchter keine Kompromisse. Und das ist gut so. Das Beste, was wir meiner Meinung nach jetzt machen können, ist die Welt in die Hände unserer Kinder zu legen.