Eine sehr produktive Schaffenskrise

Nach dem Welterfolg „La dolce vita“ wusste Federico Fellini nicht so recht, wie er weitermachen sollte. Das Ergebnis dieser Schaffenskrise war - ein Film über einen Filmregisseur, dem nichts einfällt. Achteinhalb Filme habe er bisher gedreht, rechnete er sich vor. Achteinhalb wurde nun der Titel eines neuen Filmes, in dem Fellini völlig neue Wege ging.

Gedanken für den Tag 17.1.2020 zum Nachhören (bis 16.1.2021):

Er verließ alle Muster traditioneller Erzählung und montierte einen frei assoziierenden Film aus Episoden, Reflexionen, Fantasien, Erinnerungen und, nicht zuletzt, aus Träumen – wobei ihn vor allem die Psychoanalyse C.G. Jungs inspirierte.

Filmo comico

In „Achteinhalb“ muss ein Filmregisseur namens Guido eine Pause in einem Kurort einlegen und Wasser aus einer Heilquelle trinken. Doch zur Ruhe kommt er nicht. Er quält sich im Nachdenken über den nächsten Film. Produzenten üben Druck aus, von ihm selbst erschaffene Filmfiguren erheben Ansprüche. Seine Frau und seine Geliebte verwickeln ihn in mühsame Gespräche. Seine Eltern erscheinen ihm im Traum. Belastende Erinnerungen aus der Jugendzeit kehren zurück. Auch Religion und Kirche lassen ihn nicht los. Ausgerechnet im Dampfbad wird ihm eine Unterredung mit einem alten Kardinal gewährt. „Eminenz“, sagt Guido, „ich bin nicht glücklich.“ Und der Kardinal antwortet: „Warum sollten Sie glücklich sein? Das ist nicht Ihre Aufgabe.“

Christian Rathner
ist Filmemacher und Fernsehjournalist

Er wolle einen ehrlichen Film machen, sagt Guido, einen, der allen nützlich ist und hilft, für alle Zeiten das zu begraben was wir Totes in uns tragen. Was für eine Aufgabe.

Fellini hatte für die Dreharbeiten einen Zettel an die Kamera gehängt. „Filmo comico“ stand darauf, zur Erinnerung daran, dass er einen komischen Film machen wollte.

Aber auch in „Achteinhalb“ geht es nicht zuletzt um Schuld und Erlösung. Eine engelsgleiche junge Frau, die an der Heilquelle Wasser ausschenkt, könnte zur Retterin werden.

Am Ende versöhnt sich Guido mit seinen Figuren und mit seiner Frau. Das Leben ist ein Fest, leben wir es gemeinsam, sagt er zu ihr. Da wird alles zum Zirkus, Guido wird wieder zum Kind und übernimmt das Kommando. Die Dreharbeiten können beginnen.

Musik:

Filarmonica della Scala unter der Leitung von Riccardo Chailly: „Titoli“ aus: Otto e mezzo / Achteinhalb / Suite aus dem gleichnamigen Film von Nino Rota
Label: Decca 4832869