75. Geburtstag von Kardinal Schönborn

Themen: Wenig Bekanntes über Kardinal Christoph Schönborn; 100. Geburtstag von Chiara Lubich; Ein ehemaliger Bauernhof als spirituelle Heimat für die Buddhistin Birgit Meiche, Bibelessay von Martin Jäggle

Teenager- und Studentenjahre eines Kardinals – Wenig Bekanntes zum 75. Geburtstag von Kardinal Christoph Schönborn

Am 22. Jänner feiert Kardinal Christoph Schönborn seinen 75. Geburtstag. Der Wiener Erzbischof hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten – wie das allgemein bei Vollendung des 75. Lebensjahres kirchenrechtlicher Usus ist. Ob der Papst ihn jetzt schon annimmt, oder Schönborn noch ein, zwei Jahre weiter als Erzbischof von Wien in Amt und Würden sein wird, bleibt abzuwarten. Letztes Jahr wurde er von Prostata-Krebs geheilt, bekam aber vor Weihnachten einen Lungeninfarkt, von dem er sich langsam erholt.

Lebenskunst
Sonntag, 19.1.2020, 7.05 Uhr, Ö1

Schönborns sudetendeutsche Familie wurde Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem tschechischen Leitmeritz vertrieben, der spätere Kardinal und seine Geschwister wuchsen in Schruns im Montafon auf. Nach der Matura trat er in den Dominikanerorden ein und studierte Theologie. 1970 weihte Kardinal Franz König Schönborn zum Priester. Er promovierte am Institut Catholique in Paris, wurde 1975 Professor für katholische Dogmatik an der Universität Fribourg/Schweiz. 1991 wurde Schönborn zum Wiener Weihbischof geweiht. 1995 folgte er Hans Hermann Groer als Erzbischof von Wien nach, wurde 1996 zum Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz gewählt und 1998 zum Kardinal kreiert. 25 Jahre lang hat Schönborn die österreichische katholische Kirche maßgeblich geprägt.

Johannes Kaup hat mit dem Wiener Erzbischof ein längeres Gespräch geführt, in dem dieser auch Einblick gibt in einen Lebensabschnitt, der sich fernab aller Prominenz und Öffentlichkeit zugetragen hat und darum wenig bekannt ist: seine geistige und religiöse Entwicklung als Teenager und Student. Sie hat in den 1950er Jahren stattgefunden – und in den Jahren der beginnenden Studentenrevolution, mit der der später als Besonnener bekannte Geistliche anfangs durchaus sympathisierte.

Mutter der Fokularini – Zum 100. Geburtstag von Chiara Lubich

„Eine Seele, die liebt, ist für die Welt eine kleine Sonne, die Gott ausstrahlt“, hat Chiara Lubich einmal gesagt. Am 22. Jänner jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal. Ihren Taufnamen „Silvia“ hat die Gründerin der Fokolar-Bewegung übrigens durch „Chiara“ ersetzt, als sie das Gelübde für ein „geweihtes Leben“ im „Dritten Orden der Franziskaner“ ablegte.

Mittlerweile zählt die Fokolar-Bewegung - eine der katholischen Erneuerungsbewegungen - weltweit mehr als 140.000 Mitglieder, rund 2 Millionen Menschen fühlen sich mit ihr verbunden: Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen und kirchlichen Gemeinschaften ebenso wie Angehörige des Judentums, des Islam, Buddhismus und Hinduismus sowie Menschen ohne religiöses Bekenntnis. In derzeit 182 Ländern der Erde ist die Bewegung vertreten. Nicht verschwiegen darf dabei freilich werden, dass Kritiker der Fokolar-Bewegung vorwerfen, ihren Mitgliedern gegenüber sowohl spirituell als auch existenziell ausgesprochen vereinnahmend zu sein. Chiara Lubich wurde 1920 in eine sowohl christliche als auch sozialistische Familie hineingeboren, die sich im Widerstand gegen den italienischen Faschismus engagierte. Sie erhielt viele internationale Auszeichnungen, und 2015 wurde der Seligsprechungsprozess eröffnet.

Maria Harmer hat Wegbegleiter/innen nach dem Charisma dieser Frau befragt und nach Spuren der Bewegung in Österreich gesucht.

Der Kompass im Leben - ein ehemaliger Bauernhof als spirituelle Heimat für die Buddhistin Birgit Meiche

„Mein Tempel, meine Kirche, mein Gotteshaus“ heißt eine LEBENSKUNST-Reihe, in der Menschen aus Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus zeigen, wo sie spirituell beheimatet sind. Sie sprechen über ihren Glauben und wie es ist, diesen in Österreich als junger Mensch zu leben. Das Gotteshaus ist für sie oft mehr als nur ein Ort zum Beten. So hat die LEBENSKUNST bereits eine junge Jüdin und einen jungen Muslim vorgestellt, die durch ihre Moschee bzw. ihre Synagoge geführt haben. Ein etwas anderes Gotteshaus ist der ehemalige Bauernhof am Bäckerberg im Almtal in Oberösterreich, der zum buddhistischen Zentrum Rangjung Yeshe Gomde umgebaut wurde. Die junge Buddhistin Birgit Meiche verbringt beinahe jedes Wochenende am Bäckerberg. Lena Göbl hat die 30-jährige Sozialarbeiterin dort besucht.

Über die Würde eines Knechtes - Bibelessay zu Jesaja 49,3.5-6

Die Situation ist brennend aktuell und doch auch uralt: Menschen, die sich aus politischen Gründen fern ihrer Heimat aufhalten und dort bestehen müssen. Das biblische bzw. historische Volk Israel hat diese traumatische Phase vor mehr als 2.500 Jahren im sogenannten babylonischen Exil erlebt. In diese schmerzhafte Situation des Vertrieben-Seins hinein spricht der Prophet Jesaja den verzagten Menschen Mut zu. Mit vielleicht etwas ungewohnten Worten – auf die auch Martin Jäggle in seinem LEBENSKUNST-Essay eingeht. Martin Jäggle ist katholischer Theologe und Religionspädagoge und Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Bibelessay zu Jesaja 49,3-6

Moderation: Martin Gross

Lebenskunst 19.1.2020 zum Nachhören (bis 18.1.2021):