Fit mach mit

Ilse Buck, in den Zeiten des Wirtschaftswunders die Vorturnerin der Nation, hätte wohl gesagt: Traurigkeit gibt’s nicht. Wenn Ihnen etwas über die Leber gelaufen ist, dann werfen Sie die Leber aus dem Fenster.

Gedanken für den Tag 4.2.2020 zum Nachhören (bis 3.2.2021):

Sie hatte damit nicht ganz unrecht, denn schon der Heilige Antonius beschäftigte sich mit der Chemie oder eher mit der Seele der Leber, auch wenn er eher von der Galle sprach, nämlich dann, wenn es in antiker medizinischer Tradition um die „Melancholie“, die „schwarze Galle“ ging – doch das eine traurige Organ ist vom anderen traurigen Organ ja nicht weit entfernt, vor allem in der Früh, wenn die Durchblutung prinzipiell noch zu wünschen übrig lässt und wir noch nicht das sind, was wir sein sollen – heute und bis ans Ende unserer Tage, nämlich: gut durchblutet - Fit, mach mit. Machen wir mit?

Herbert Maurer
ist Schriftsteller und Übersetzer

Heilige Leber

Wollen Sie mitmachen, macht Ihre Leber mit oder Ihre Galle. Wie hätte der Heilige Antonius wohl geturnt? Liegestütz für Eremiten? Kopfstand mit den Kamelhengsten? Ein dezenter heiliger Purzelbaum zur Erfrischung der Frühstücksleber? Ein kleines Würfelspielchen mit den Gallensteinchen?

Wir aber sind nicht in der Wüste, wir wachen auf in einer sogenannten Zivilisation und mit uns, mit allen anderen Organen, wacht auch unsere heilige Leber auf, eine manchmal traurige aber von Ilse Puck oder dem Heiligen Antonius noch nicht aus dem Fenster geworfene Leber, ein gesegnetes Organ. Und wir sind mit ihr. Reiben wir uns den Saharasand unserer Träume aus den Augen, so wie der Heilige Antonius, und: Freuen wir uns auf die geröstete heilige Leber, die wir abends, fit und frisch, vielleicht sogar von Ilse Buck serviert, zu uns nehmen dürfen.

Musik:

„Bad liver and a broken heart“ von Tom Waits
Label: Asylum Records/Elektra /Warner 7559606122