Vom Wert der guten Nachrichten

Aus dem gemütlichen Bett aufzustehen - um mit lauter ungemütlichen Nachrichten konfrontiert zu werden... Schön ist das nicht...

Morgengedanken 18.2.2020 zum Nachhören (bis 17.2.2021):

Bad news are good news. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Rücktritte, Skandale, Unfälle, Seuchen, Megastaus, Massenstreiks, Todesfälle, Verbrechen sind einfach interessanter als die Meldung: Alles im grünen Bereich. Es ist bei mir auch so, dass ich bei Formel 1-Rennen am liebsten den Start anschaue, weil da kann immer etwas passieren. Eine Nachrichtensendung wie „Zeit im Bild“ nur mit Bildern von glücklichen Kühen, Gebirgspanoramen und zufriedenen Menschen zu füllen, ist fast undenkbar.

Bernhard Loss
ist Kirchenmusikreferent der Diözese Feldkirch in Vorarlberg

Kleine Inseln im Meer

Und doch gibt es kleine Inseln im Meer der üblichen Berichterstattung. Eine solche Insel ist die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“. Es sind kleine und kleinste Episoden aus dem Leben von Leserinnen und Lesern, kurze Einblicke in den Alltag, in denen das Besondere, das Wunderbare, das Mitmenschliche, das Glück aufleuchtet. Oft sind es Begegnungen mit unbekannten Menschen, Freunden, Verwandten oder Erfahrungen in der Natur, die das Leben reicher machen. Nicht selten ist es auch ein Wiederfinden eines vermissten Gegenstandes, die Wiederbegegnung mit einem nahestehenden Menschen, das bereichert.

In einer der letzten Nummern war es ein einziges Wort – Plümo (Plumeau, Federbett) – das einen in England wohnhaften Leser an das von der Mutter liebevoll zurechtgemachte Plumeau und an die Kindertage am wunderschönen Kochelsee erinnerte. 1938 mit 13 Jahren per Kindertransport aus Bayern nach England verschickt, fand er dank dieses einen Wortes nochmals in das Paradies der Kindheit zurück, aus dem er vertrieben worden war. Eine Erfahrung, die Huub Oosterhuis in seinem Lied „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ so ausdrückt: „Sprich du das Wort, das tröstet und befreit und das mich führt in deinen großen Frieden.“