Nach dem Ebenbild Gottes

Am 21. März wurde zum 15. Mal der Welt-Down-Syndrom-Tag international begangen. An diesem Tag wird auf die besondere Lebenssituation von Menschen mit Trisomie 21 aufmerksam gemacht.

Zwischenruf 22.3.2020 zum Nachhören (bis 21.3.2021):

Sachinformation und Bewusstseinsbildung sind wirklich wichtig, denn Unwissenheit, Halbinformation und Vorurteile verursachen große Unsicherheit im Umgang mit den betroffenen Menschen und für diese sind es schwer zu überwindende Hürden in Richtung umfassender Teilhabe am Leben.

Kurt Nekula
ist Präsident des Vereins „Licht ins Dunkel“

Genetisches Phänomen

Die menschliche Zelle verfügt über 46 Chromosomen, bei Menschen mit Down-Syndrom ist das 21. dreifach vorhanden. Es handelt sich also nicht um eine heilbare Krankheit, sondern um ein genetisch bedingtes Phänomen, das nicht veränderbar ist.

Menschen mit Down-Syndrom können körperlich verschiedene Merkmale entwickeln und haben meist mehr gesundheitliche Probleme als andere. Nur jede bzw. jeder 10. erreicht das 70. Lebensjahr. Die geistigen Fähigkeiten sind sehr unterschiedlich ausgeprägt und reichen von schwerer Behinderung bis zu gut entwickelter Intelligenz. Ihre Sprachentwicklung ist verzögert aber auch hier wird ein breites Spektrum sichtbar, von Menschen, die flott sprechen und mehrsprachig sind bis hin zu jenen mit einer sehr undeutlichen Sprache, aber trotzdem mit einem entwickelten Sprachverständnis.

Wenig Berührungsängste

Menschen mit Down-Syndrom agieren oft freundlich, herzlich und sensibel, sie haben wenig Berührungsängste. Sie gehen gerne in den Körperkontakt, umarmen spontan ihre Gesprächspartner und sind den Menschen zugewandt.

Zwischenruf
Sonntag, 22.3.2020, 6.55 Uhr, Ö1

Wenn Kinder in einer liebevollen, fördernden und anregenden Umwelt aufwachsen, können sie eine gute bis erstaunliche Entwicklung nehmen. Das gilt insgesamt, aber insbesondere für Kinder mit Down-Syndrom. Viele von ihnen betätigen sich als Tänzer, üben eine Sportart aus, beherrschen ein Instrument, sie malen oder fotografieren. Die meisten lernen Lesen und Schreiben, sie fahren auf Urlaub, genießen Theater- und Kinobesuche oder ein gutes Essen in einem gemütlichen Lokal. Manche, wie etwa der spanische Lehrer, Schauspieler und Autor Pablo Pineda absolvieren ein Universitätsstudium, Tobias Wolf unterrichtet als Englischlehrer, Jamie Brewer arbeitet als Schauspielerin, Tim Harris ist der vermutlich freundlichste Lokalbesitzer in Albuquerque, Laura Brückmann ist bekannt als „kleine Tänzerin“ und der deutsche Christian Hirsch, der Brite Simon Bresford und der Schweizer Simon Federer schafften Marathonläufe. Der über 70-jährige Helmut Müller gilt als Superstar des Berliner Ramba-Zamba-Theaters. Er entkam dem entsetzlichen Euthanasieprogramm des Nazi-Regimes, das 100.000 Menschen mit Behinderung bzw. psychiatrischem Unterstützungsbedarf ermordete.

Inklusion gelingt

Menschen mit Down-Syndrom beweisen eindrucksvoll, dass die Inklusion nicht nur ein Wunschbild ist, sondern tatsächlich gelingt und funktioniert: in der Bildung vom Kindergarten über die Schule bis zu Ausbildung und dem Studium, in der Arbeitswelt, im Kunst- und Kulturleben, im Sport oder in der Freizeit. Man kann aus religiösen, ethischen, humanistischen Gründen dafür eintreten oder ganz einfach aus Empathie. Für die betroffenen Menschen bedeuten inklusive Modelle jedenfalls eine enorme Verbesserung ihrer Lebensqualität und wir – ihre Mitmenschen – können von ihnen eine ganze Menge lernen. Wenn es gelingt, nicht die Behinderung, sondern den MENSCHEN zu sehen, ist der erste Schritt in Richtung Normalität und entspanntem Miteinander gelungen.

Wer in die Evangelien sehen mag, wird herausfinden, dass Jesus von Nazareth genau nach dieser Maxime gehandelt hat. Und das sogenannte Alte Testament, die Hebräische Bibel, weist darauf hin, dass die Menschen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind. Dass dazu eine bestimmte genetische Konfiguration nötig ist, davon ist nichts zu lesen.