Entschleunigt leben

Das öffentliche Leben steht weiterhin zum allergrößten Teil still, viele arbeiten von zu Hause aus, Gasthäuser und Cafés sind geschlossen, Veranstaltungen abgesagt, Vereinsaktivitäten ruhen. Wie sich verhalten in diesem so ganz anderen Leben?

Morgengedanken 24.3.2020 zum Nachhören (bis 23.3.2021):

Wir müssen mit der Situation zurechtkommen und das Beste daraus machen. Nicht, dass ich der Lage im Sinne moralinsaurer Besserwisserei irgendetwas Positives abgewinnen könnte, wie Menschen, die in dieser Plage eine Prüfung oder Strafe Gottes sehen. Aber jetzt haben viele Menschen, die nicht im Noteinsatz sind, Zeit, manches im Leben zu überdenken.

Thomas Hennefeld
ist Landessuperintendent der evangelisch-reformierten Kirche in Österreich

Eine Chance

Denn wir sind gezwungen, unser gewohntes Leben, unseren Alltag zu unterbrechen, entschleunigt zu leben und trotzdem unser Leben zu gestalten, wenn auch in den eigenen vier Wänden. Da werden wir auf uns selbst zurückgeworfen, müssen uns mit uns beschäftigen, und miteinander etwas anfangen. Das haben viele Familien verlernt, wo jeder für sich lebt, vielleicht auch, wenn es genügend Platz gibt, im eigenen Zimmer, in einer Art freiwilligen Isolation von anderen Familienmitgliedern. Im besten Fall denken Menschen über ihr Leben nach, über das, was wichtig ist, und das, was eigentlich entbehrlich und überflüssig ist. Wofür lebe ich, wofür setze ich meine Kräfte und Fähigkeiten ein. Was macht mir Freude?

Ich kenne gar nicht so wenige Menschen, die im Getriebe des Alltags vergessen haben, sich solche Fragen zu stellen. Wir sind derzeit gezwungen, entschleunigt zu leben. Sicher, es gibt genügend Stressfaktoren in so einem Ausnahmezustand, aber die Entschleunigung, das langsamer Werden kann auch eine Chance für mein Leben sein.