Wenn die Welt stillsteht...

Themen: Religionen in Aserbeidschan; Religiöse Influencer/innen im Netz; Beate Winkler: Was mich in der Krise trägt; Bibelessay von Josef Schultes

Die Kirche im Dorf - Begegnungen mit dem geheimnisvollen Kaukasischen Albania

In Aserbaidschan gelten an die 90 Prozent der dort wohnenden Menschen als schiitische Muslime – und zwar in ihrer liberalen, wenn man so möchte, säkularen Variante. Doch neben dem Islam sind auch das Judentum und das Christentum – und manch andere Tradition – vertreten;an die vier Prozent der Bevölkerung der früheren Sowjetrepublik gehören der russisch-orthodoxen Kirche an. Das Christentum hat sich im 4. Jahrhundert von Armenien aus im sogenannten „Kaukasischen Albania“ verbreitet, dem antiken Königreich auf dem Gebiet des späteren Aserbaidschan.

Lebenskunst
Sonntag, 29.3.2020, 7.05 Uhr, Ö1

Noch heute erzählt die frühchristliche Kirche im Bergdorf Kisch davon, die jetzt ein überkonfessionelles Sakralgebäude und Museum ist. Wenige Kilometer südlich von Kisch liegt der Khanpalast von Scheki, die ehemalige Sommerresidenz der Khane in der gleichnamigen Stadt. In Scheki hat auch Hans Groiss einen seiner aserbaidschanischen Rundgänge begonnen – für den Ö1-Schwerpunkt „Nebenan. Erkundungen in Europas Nachbarschaft“.

Es darf im Leben mehr als alles geben - Religiöse Influencer/innen und ihre Botschaften im Netz

Sie posten, bloggen, twittern, teilen und streamen im Namen einer größeren Wirklichkeit. Manchmal im Auftrag von etablierten Religionsgemeinschaften, oft aber auch völlig unabhängig von ihnen. Was zählt, ist „real“ zu sein, eine authentische, spirituell verankerte Persönlichkeit. Religiöse Influencer machen im Internet auf der Videoplattform YouTube, in den sozialen Medien wie auf Instagram oder in Podcasts oder Blogs Werbung für Gott bzw. das Göttliche und ihre religiösen und spirituellen Überzeugungen. Das große Geld machen sie - noch - nicht. Denn sie haben weit nicht so viele Follower, also Fans, wie ihre säkularen Pendants - meistens sind das Mode- und Kosmetik-Influencerinnen à la Bibi oder Dagi Bee. Die Influencer Gottes wollen ihren Fans im engeren Sinn nichts verkaufen. Dennoch erreichen sie immer mehr junge Menschen, was sie zum Beispiel für so manche christliche Kirche interessant macht. In Zeiten von Corona versuchen die religiösen Influencer auch zu trösten und zu ermutigen. Kerstin Tretina hat sich im Netz umgesehen und umgehört.

Wenn die Welt stillsteht und nichts mehr ist wie bisher: Was mich in der Krise trägt

Mit Sonntag, dem 29. März, startet LEBENSKUNST die Reihe „Was mich in der Krise trägt“. Verschiedene Denkerinnen und Denker lassen die Zuhörenden Anteil nehmen an dem, was sie in der derzeitigen Krise stärkt. Die Künstlerin und frühere europäische Menschenrechtspolitikerin Beate Winkler findet manche Antwort und manche Stütze auch beim persischen Sufi-Mystiker und Gelehrten Dschalāl ad-Dīn Muhammad ar-Rūmī und beim Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, dem Wiener Viktor Frankl. „Für mich“, so Beate Winkler, „ist diese Krise ein besonderer Moment, der mich wieder auffordert, inne zu halten und mir selbst zuzuhören. Zu spüren, ob ich in dem Wind, den ich nicht ändern kann, die Segel richtig gesetzt habe oder sie anders setzen sollte, nach neuen Lösungsansätzen zu suchen und nicht die Antworten von gestern downzuloaden für die Fragen von heute. Gesellschaftlich und für mich selbst. Mir ist noch bewusster, in welcher Fülle von Möglichkeiten ich lebe. Ich sehe noch klarer die Schönheit der Schöpfung - trotz und mit Corona.“

Wenn die Welt stillsteht und nichts mehr ist wie bisher: Was mich in der Krise trägt

Beate Winkler war langjährige Direktorin der jetzigen EU-Grundrechtsagentur. Bei ihren Projekten wirken Kunst und gesellschaftlicher Dialog zusammen, etwa „Light up your future - Changing“, „TRUST/CHANGE - Zukunftsbilder für ein neues WIR“, „Strong in Hope“. Auch als Autorin beschäftigt sie sich mit der „Kunst der Möglichkeit“, unter anderem in dem Buch „UNSERE CHANCE. Mut, Handeln und Visionen in der Krise“.

Diese Krankheit führt nicht zum Tod – Bibelessay zu Johannes 11,3-7.17.20-27.33b-45

Eine Ermutigungsgeschichte ist die Zeichenerzählung, die der Verfasser des Johannesevangeliums gegen Ende des 1. Jahrhunderts aufgeschrieben hat, sagt der katholische Theologe und Bibelwissenschaftler Josef Schultes. Er hat sich den Textabschnitt, der am sogenannten Fünften Sonntag der Fastenzeit für katholische Gottesdienste vorgesehen ist, für seinen LEBENSKUNST-Bibelessay vorgenommen. Die Geschichte findet, wie die allermeisten biblischen Erzählungen, unter Jüdinnen und Juden statt; darunter Marta, ihre Schwester Maria, ihr verstorbener Bruder Lazarus und ihr Freund Jesus, den der Verfasser als den erwarteten Messias, übersetzt Christus, bekennt.

Bibelessay zu Johannes 11,3-7.17.20-27.33b-45

Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel

Lebenskunst 29.3.2020 zum Nachhören (bis 28.3.2021):