Freiheit in Isolation

Themen: Das jüdische Pessach-Fest; 500. Todestag von Raffael; Wim Wenders’ Film über Papst Franziskus; „Was mich in der Krise trägt“ von Gerhard Weißgrab; Bibelessay von Marco Uschmann

Freiheit in Isolation - Gedanken zum jüdischen Pessachfest

Wenn Christinnen und Christen am Palmsonntag des „Einzugs Jesu in Jerusalem“ gedenken, dann erinnern sie sich unter anderem daran, wie Jesus aus Nazareth zum großen Pessachfest nach Jerusalem gekommen ist. Ostern und Pessach liegen auch heuer wieder in zeitlicher Nähe. Während für Christinnen und Christen der sogenannten Westkirche mit dem Palmsonntag die Karwoche auf Ostern zu beginnt, steht für Jüdinnen und Juden rund um den Globus das Pessachfest ins Haus: Es beginnt heuer am 8. April mit dem Sederabend.

Lebenskunst
Palmsonntag 5.4.2020, 7.05 Uhr, Ö1

Da wird, im Rahmen eines ritualisierten Abendessens mit symbolischen Speisen, an den biblischen Auszug aus der Knechtschaft in die Freiheit erinnert, den das historische Volk Israel laut Überlieferung erlebt hat. Ungesäuertes Brot, wie es im biblischen Bericht als Wegzehrung auf der Flucht aus Ägypten vorkommt, sogenannte Mazzen, oder Salzwasser, das an die Tränen der in Ägypten Versklavten erinnert, gehören unverzichtbar dazu. Heuer werden die Feiern – Corona-bedingt – nicht wie sonst in der Großfamilie und mit Freunden stattfinden können. Und doch kann der Gedanke der Freiheit gerade durch die Tage der derzeitigen Isolation tragen, sagt Dina Baranes, Kulturanthropologin, Judaistin und Generalsekretärin des Center for Israel-Studies.

Das göttliche Marketinggenie - Zum 500. Todestag von Raffael

Raffael-Ausstellungen, besonders die weltweit größte in Rom, haben notgedrungen dieser Tage geschlossen. Doch am 500. Todestag des Ausnahmekünstlers kommt man freilich – und zum Glück – nicht vorbei. Raffaello Sanzio da Urbino, „Raffaello Santi“, starb am 6. April 1520 mit knapp 37 Jahren nach einem erfüllten und produktiven Leben, in dessen kurzer Zeit er zahlreiche Werke von Weltruhm schuf.

Das göttliche Marketinggenie

Dass Raffael göttlich sei und einen besonderen Draht zum Himmel habe, davon waren schon seine Zeitgenossen überzeugt. Nicht nur weil sein Name an „santo“, also heilig, erinnert. Sondern auch, weil seine hyperästhetische, harmonische Kunst als Verkörperung des Göttlichen im Diesseits galt. Bei seinem Tod vor 500 Jahren wurde Raffael beweint wie ein Heiliger. Für Johanna Schwanberg, Kunstwissenschaftlerin und Direktorin des Dom Museum Wien, ist er freilich auch ein Marketinggenie. Hat er doch eine Welt der Bilder erschaffen, die über Jahrhunderte hinweg die europäische Kulturgeschichte geprägt hat – und Bildsujets, die bis heute zum kollektiven Gedächtnis gehören.

Filmische Privataudienz - Wim Wenders‘ Film über Papst Franziskus am Karfreitag in ORF 2

Filme, in denen Päpste auftauchen, gibt es viele. Am 14. Juni 2018 ist aber ein ganz besonderer in die Kinos gekommen. Denn Regisseur Wim Wenders hat keinen Film über, sondern mit Papst Franziskus gemacht. Der Papst hatte über einen seiner Mitarbeiter den deutschen Star-Regisseur persönlich anfragen lassen, ob er einen Film mit ihm produzieren würde. Herausgekommen ist, wie der „Spiegel“ titelte, eine „Privataudienz fürs Publikum“. Nun wird „Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes“ am Karfreitag, 10.4., 17.20 Uhr, in ORF 2 gezeigt. Oliver Mahn berichtet, wie dieser besondere Film entstanden ist.

Als ob jemand die Notbremse gezogen hätte - „Was mich in der Krise trägt“

„Was ich jetzt erlebe, gleicht einem Retreat, einem Rückzug aus dem Alltag, um sich zum Beispiel auch stärker der Innenschau widmen zu können“, sagt Gerhard Weißgrab, Präsident der Buddhistischen Religionsgesellschaft in Österreich, und stützt sich dabei auch auf die buddhistische Lehre. Ihr Kernstück besteht für ihn in Weisheit und Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen und der klaren Erkenntnis, dass sich alles wechselseitig bedingt und dem ständigen Wandel unterworfen ist.

Was mich in der Krise trägt

„In Krisenzeiten kann mich das tragen, weil es mich daher nicht überraschen darf, wenn plötzlich von einem Moment zum anderen alle Gewissheiten aufgehoben sind. Soweit ich es schaffe, meine absolute Verbundenheit mit anderen zu erkennen, wird Mitgefühl zu etwas Selbstverständlichem, aber auch das Wissen um die eigene Unvollkommenheit.“

Fürchte Dich nicht - Bibelessay zu Johannes 12,12-19

So wie in katholischen Kirchen ist auch in evangelischen am Palmsonntag unter anderem die biblische Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem zu hören. Für Marco Uschmann, evangelischer Theologe und Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Kirche in Österreich, eine Befreiungs- und Zuversichtsgeschichte, die sich nicht von ungefähr im Umfeld des jüdischen Pascha- oder Passa-Festes, hebräisch Pessach, ereignet.

Bibelessay zu Johannes 12,12-19

Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel

Lebenskunst 5.4.2020 zum Nachhören (bis 4.4.2021):