„Krimtataren“

Muslimische Minderheit zwischen Tradition und Moderne: Sie sind entwurzelt im eigenen Land. Anstatt auf der Krim sitzen die Spitzen der krimtatarischen Selbstverwaltungsorgane heute in Kiew.

Auf der Krim sind sie hochoffiziell unerwünscht: Der Medschlis, das Organ der unter ukrainischem Recht geltenden Selbstverwaltung, gilt den russischen Behörden auf der Krim als extremistische Vereinigungen, die tatarische Sprache ist unerwünscht.

Tao
Samstag, 23.5.2020, 19.05 Uhr, Ö1

In Kiew dagegen sind die Tatarinnen und Tataren willkommen. Jene, die sich für die Diaspora entschieden und von der Krim auf die Festlandukraine zogen, wurden als Freunde empfangen. Tatarische Vereine und NGOs genießen einen hohen Stellenwert in der Ukraine der Gegenwart, tatarische Restaurants haben geöffnet, die tatarische Kultur ist präsent im Alltag und die tatarische Fahne sogar zu einem Symbol des ukrainischen Widerstandes gegen Aggressionen aus Russland geworden.

Mit den Tatarinnen und Tataren hat vor allem aber auch der Islam in Kiew eine Verbreitung gefunden. Die Tataren sind mehrheitlich hanafitische Sunniten, die eine säkulare, weltoffene Religiosität in der Tradition des tatarischen Gelehrten Ismail Gasinskis leben. Das ist jener Mann, der maßgeblich das staatliche Modell inspirierte, das zwar nur sehr kurzlebig war, aber als erste säkulare Demokratie der islamischen Welt in die Geschichte eingehen sollte: die Volksrepublik Krim, inspiriert von der russischen Oktoberrevolution, gegründet im Dezember 1917 und zerschlagen von den Bolschewiken im Februar 1918. TAO begibt sich auf die Spuren der tatarischen Identität, ihrer religiösen Wurzeln und ihres Stellenwerts in der heutigen Ukraine. Eine Sendung zum Ö1-Schwerpunkt Nebenan: Ukraine.

Gestaltung: Stefan Schocher

Tao 23.5.2020 zum Nachhören (bis 22.5.2021):