Der Club der Hässlichen

Mit Stolz trägt Daniele Poldo Isabettini den Titel: „Hässlichster Italiener“. Der Titel wird jährlich vom Club der Hässlichen in Piobbico, einer kleinen Stadt in den Marken, verliehen.

Gedanken für den Tag 15.5.2020 zum Nachhören (bis 14.5.2021):

Der Club der Hässlichen ist eine Initiative von „Trägern von zu langen Nasen und krummen Beinen.“ Er veranstaltet jährlich Kongresse über die Vorzüge der Hässlichkeit in einer Welt, die immer mehr vom Zwang zur Schönheit dominiert sei. In Vorträgen von Ärzten, Psychologen und Theologinnen wird laut über die Vorzüge des Hässlichseins nachgedacht. Der Hässliche sei der bessere Mensch, so wurde doziert, weil er nicht so leicht Erfolg habe und sich deshalb mehr bemühe. Außerdem seien die wirklich Schönen ja eine kleine Minderheit.

Michael Chalupka
ist Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich

Selbsthilfe bringt Selbstachtung

Der Club der Hässlichen wächst und wächst und hat weltweit schon mehr als 30.000 Mitglieder. Das jährliche Fest der Hässlichen ist schon zu einer Touristenattraktion geworden, aber vor allem zu einem Fest derer, die aus ihrer Schwäche eine Stärke gemacht haben. Sie nehmen das biblische Motto, die Letzten werden die Ersten sein, ernst. Sie nehmen ihr Bett, in das sie bislang gezwungen waren und gehen. Aus Opfern werden Akteure. Sie lassen sich nicht auf das Opfersein festnageln.

Sie machen es wie weiland der Baron Münchhausen, als er mit seinem Pferd im Sumpf festgesteckt ist, sie ziehen sich am eigenen Schopf wieder heraus. Münchhausens starker Arm überwindet die Gesetze der Schwerkraft, die fidelen Hässlichen von Piobbico überwinden die Gesetze der Schönheitsindustrie und Hochglanzillustrierten. Die Leute aus dem italienischen Dörfchen retten sich selbst, indem sie die Probleme, die sie bedrücken, unmittelbar angehen, sie direkt auf die Hörner nehmen und nicht nur darüber jammern.

Dass sie das mit einer gehörigen Portion Selbstironie und Humor tun, hilft ungemein. Gerettet werden geht besser, wenn ich selbst dabei mitwirke. Selbsthilfe bringt Selbstachtung. Und wer Münchhausen nicht glauben will, kann sich an den Hässlichen von Piobbico ein Beispiel nehmen.

Musik:

Ingo Goritzki/1.Oboe und Burkhard Glaetzner/2.Oboe: „Andante - 3. Satz“ aus: Sonate für 2 Oboen Nr. 5 in A-Dur von Georg Philipp Telemann
Label: Claves 508801