Corona und das Hohelied der Liebe

In Bibeltexten – gerade im Neuen Testament – ist regelmäßig von der Liebe die Rede. Doch was bedeutet das heute, gerade jetzt in Corona-Zeiten?

Morgengedanken 30.5.2020 zum Nachhören (bis 29.5.2021):

Es gibt einen Hymnus im Neuen Testament, aus dem 1. Korintherbrief, der eine Liebe beschreibt, die das Herz berührt. Ich erlaube mir, diesen Text in kleineren Abwandlungen zu bringen:

Angelika Pressler
ist Psychotherapeutin und Theologin aus Salzburg

Vertrauen, Hoffnung und Liebe

Wenn ich in der klugen Sprache der Wissenden redete, wie mit Engelszungen, hätte aber die Liebe nicht, bin ich schepperndes Blech und eine gesprungene Glocke. Wenn ich vorausschauend wäre, taktisch und strategisch alle Probleme lösen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre alles nichts. Und würde ich mich aufreiben für die Menschen und für die Wirtschaft, wäre aber ohne Liebe, so nützte das alles nichts. Und wenn ich mit den Menschen redete, ihnen Sicherheit gäbe, Zuversicht und Stärke, hätte aber die Liebe nicht, dann wäre das nur Schall und Rauch. Die Liebe ist nicht berechenbar, sie handelt nicht respektlos anderen gegenüber, sie bläst sich nicht auf, sondern hat ein pochendes Herz.

Die Liebe ist Geburt und Tod, Himmel und Hölle, Gesundheit und Krankheit, Schwermut und Glückseligkeit. Die Liebe ist größer als all unsere Sehnsüchte, sie ist das Unwahrscheinlichste, das Besondere, das Zerbrechliche, das Bedrohte. Wir erkennen nur Bruchstücke, und unsere Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen, ist begrenzt. Wir sehen jetzt nur ein rätselhaftes Bild, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Nun wollen wir auf Vertrauen, Hoffnung und Liebe setzen. Die größte Kraft aber unter ihnen ist die Liebe.