Recht auf einen Platz „im Himmel“

Themen: Vom Heldentod zur Himmelfahrt; Die deutsche tibetisch-buddhistische Nonne Carola Roloff; Der Befreiungstheologe Luis Lintner; Bibelessay von Wolfgang Treitler

Wer hat ein Recht auf einen Platz „im Himmel“? – Vom Heldentod zur Himmelfahrt. Fragen zu Christi Himmelfahrt, 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Kaum ein Dorf ohne Denkmal, kaum eine Kirche ohne Gedenktafel: Wer im Krieg sein Leben verliert, wird von der Nachwelt in der Regel besonders geehrt – auch in Österreich. Der Akzent hat sich allerdings erkennbar verschoben: Nach dem Ersten Weltkrieg war der Begriff „Held“ noch allgegenwärtig, nach dem Zweiten Weltkrieg ist hingegen viel öfter von den „Opfern des Krieges“ die Rede.

Lebenskunst
Donnerstag, 21.5.2020, 7.05 Uhr, Ö1

75 Jahre nach dem Kriegsende in Europa im Mai 1945 befasst sich auch LEBENSKUNST mit den Umdenkprozessen, die der Zweite Weltkrieg gerade in diesem Bereich ausgelöst hat. Auf einem Streifzug zu „Krieger-Denkmälern“ und „Soldaten-Friedhöfen“ geht Markus Veinfurter diesen Fragen nach: Was eröffnet dem Menschen einen Zugang zum Himmel? Und: Welche Formen des Erinnerns sind angemessen? Die Erkundung beginnt am Wiener Zentralfriedhof und wird am Abend des 21. Mai in MEMO – Ideen, Mythen, Feste fortgesetzt (19.05 Uhr, Ö1).

Liebe, Mitgefühl und Lebenslicht – Die deutsche tibetisch-buddhistische Nonne Carola Roloff alias Bhiksuni Jampa Tsedroen

„Bhiksuni Jampa Tsedroen“ ist ihr monastischer Name auf Tibetisch, was so viel wie „Liebe/Liebevolle Güte und Lebenslicht“ bedeutet. Carola Roloff wurde in eine protestantische Familie in Holzminden in Deutschland hineingeboren und konvertierte mit 21 Jahren zum Buddhismus. Sie absolvierte eine Ausbildung bei einem tibetischen Lama, hatte 1981 ihre Noviz-Ordination als buddhistische Nonne und 1985 ihre volle Ordination in Taiwan auf Empfehlung des 14. Dalai Lama Tenzin Gyatso. Die deutsche tibetisch-buddhistische Nonne Carola Roloff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hamburg und setzt sich unter anderem als Feministin für Frauenrechte ein. Maria Harmer hat mit Carola Roloff alias Bhiksuni Jampa Tsedroen gesprochen.

Von Südtirol in die Favelas Brasiliens – Der Befreiungstheologe Luis Lintner

Im Mai 1940, vor 80 Jahren, wurde er im Südtiroler Dorf Aldein geboren: Luis Lintner. 40 Jahre später ist er als Priester und besonders engagierter Seelsorger nach Brasilien gegangen, in die Diözese Barreiras, wo der Österreicher Richard Weberberger Bischof war. Inspiriert vom Geist der Befreiungstheologie hat Lintner dort als Geistlicher mit Kleinbauern gearbeitet und sie unter anderem dabei unterstützt, sich gegen die Übergriffe großer Konzerne (Stichwort Landgrabbing) zu wehren. 1991 ist er in die Favela Cajazeiras, zu Salvador da Bahia gehörend, gegangen, vor allem Frauen sowie Kinder und Jugendliche hat er dort gefördert. Nachdem er die Erschießung eines Buben durch die Polizei zur Anzeige gebracht hatte, ist Luis Lintner 2002 ermordet worden – unter bis heute ungeklärten Umständen. Sein Neffe, der renommierte Moraltheologe Martin Lintner von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Brixen, setzt seinem Onkel zum 80. Geburtstag ein akustisches Denkmal. Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Himmelfahrten und Lebenswege – Bibelessay zu Apostelgeschichte 1, 1-11

Vom französischen Wort quarante (vierzig) stammt der Ausdruck Quarantäne. Im 14. Jahrhundert wurden erstmals vierzigtägige Isolationsperioden zur Vermeidung von Pestepidemien verhängt. Doch Vierzig ist mehr, es ist die Symbolzahl der Prüfung, Bewährung und Initiation. Als die verzehnfachte Vier repräsentiert sie Vollkommenheit. Vierzig Tage nach Ostern wird der Himmelfahrt Jesu gedacht. Ein neuer Anfang beginnt. Die Anhängerinnen und Anhänger des Jesus aus Nazareth sind nun in die Selbstständigkeit entlassen – und damit in Lebenswege, denen ihr Anfang innerlich bleiben wird, meint der katholische Theologe und Judaist Wolfgang Treitler: „Und wer weiß, wohin sie uns tragen werden?“

Bibelessay zu Apostelgeschichte 1.1-11

Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel

Lebenskunst 21.5.2020 zum Nachhören (bis 20.5.2021):

Mehr dazu:

Memo 21.5.2020, 19.05 Uhr, Ö1: „Vom Heldentod zur Himmelfahrt“