Nachts im Bett

Ab heute werden die Nächte wieder länger und die Sperrstunde wurde (immerhin) auf 1 Uhr früh ausgedehnt. Es bleibt also nun wieder mehr Zeit, um die Nacht zum Tag zu machen.

Zwischenruf 21.6.2020 zum Nachhören (bis 20.6.2021):

Wir Menschen und unsere Nächte sind ein seltsames Beziehungsgespann. Wir brauchen die Nächte, nicht nur, um uns auszuruhen. Sie sind ein wichtiger Teil unseres Lebens. Der Komiker und selbsternannte „Schlafexperte“ Groucho Marx dichtete dazu: „Anything that can’t be done in bed / or at night / isn’t worth doing at all.” („Was man im Bett / und in der Nacht / nicht machen kann, kann man gleich bleibenlassen!“) Wir können im Bett nachts schlafen, uns lieben, essen, spielen, dösen, lernen und lesen. Manche schaffen es sogar, im Bett zu arbeiten, Home-Schooling zu betreiben oder im Internet zu surfen.

Harald Kluge
ist evangelischer Pfarrer in der reformierten Stadtkirche in Wien

Vielfältige Schlafrhythmen

Einige von uns sehnen nachts den Morgen herbei. Andere wollen, dass es so lange als möglich Nacht bleibt. Wir leben im Monat Juni mit einem heftigen 16 Sonnenstundentag. Für manche ist das besonders schlimm, wie für meine drei kleinen Töchter, meine Frau und mich. Denn wie so viele leiden wir an Einschlafproblemen, gerade wenn es hell ist. Die Lichtverschmutzung nachts in der Innenstadt trägt ihren Teil dazu bei. Und wir alle kennen sie, die Schwierigkeiten beim Durchschlafen. Fragen Sie einmal bei Familien mit Babys nach. Da sind die Risiken und Nebenwirkungen von zu wenig Schlaf dann beobachtbar: Gereiztheit, Ungeduld, Stimmungsschwankungen, Nervosität.

Zwischenruf
Sonntag, 21.6.2020, 6.55 Uhr, Ö1

Heute ist übrigens der „Tag des Schlafes“ zumindest in Deutschland - eine gute Gelegenheit also, um über Nachtruhe nachzudenken. Die jüdische Weisheit gibt, wie so oft, wertvolle Tipps. Im biblischen Buch Jesus Sirach steht zu lesen: „Ein wohlerzogener Mensch ist mit wenig zufrieden und muss in seinem Bett nicht mit Atembeklemmungen rechnen. Wer Maß hält beim Essen, schläft gut; am Morgen steht er auf und fühlt sich wohl. Aber wer zu viel isst, schläft unruhig und krümmt sich vor Schmerzen. Wenn du genötigt worden bist, zu viel zu essen, steh auf und erbrich dich, dann wirst du Ruhe haben.“

Noch mehr Menschen rauben Hunger und Durst den Schlaf. Und dazu kommen die Sorgen. „Die Sorgen rauben mir den Schlaf“, heißt es mehrmals in der Bibel. Was lässt uns und andere gut einschlafen? Wann schlafen wir gut durch? Es muss ja nicht immer lange sein. Ein Powernapping-Nickerchen tagsüber auf der Tastatur oder kurz büsln mit dem Kopf auf dem Küchentisch wirken Wunder und steigern die Leistungsfähigkeit um 100%, hat die NASA herausgefunden. Und wie vielfältig die Schlafrhythmen sein können, lässt sich von den Tieren abschauen. Haie schlafwandeln in einer Art Standbymodus. Delfine ruhen jeweils nur eine Gehirnhälfte abwechselnd aus. Vielleicht sind Sie eher der Typ Giraffe, die mit Powernappings von ein paar Minuten über den Tag und durch die Nacht kommt. Und niemand sollte mehr hungrig oder durstig zu Bett gehen müssen!“