einfach reden

Es wird viel geredet. Gerade in Zeiten von Krisen. Für Sonja Dolesch ist es wichtig, Meinungen und Ansichten offen auszudrücken. Aber auch das Gegenprogramm, Zeiten der Ruhe, schätzt sie.

Morgengedanken 25.6.2020 zum Nachhören (bis 24.6.2021):

Ich liebe das Schweigen in den frühen Stunden des Tages. Aufgewacht nehme ich mich zunächst eingehüllt in Stille wahr, lausche und höre zwischen den Geräuschen der Straße das Lied der Vögel … und allmählich höre ich in mir, was Wort werden will.

Sr. Sonja Dolesch
ist Provinzoberin bei den Grazer Schulschwestern

Mauern des Schweigens durchbrechen

Auch heute wird mich lautes und leeres Gerede beschallen. Ich möchte mich in Acht nehmen, nicht selbst einzustimmen in sinnloses Geschwätz. Im Jakobusbrief heißt es: „Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden.“ Mein Reden ist am besten einfach! Die einfache Rede hat auch Jesus beherrscht. In einer seiner Bildreden sagt er ein Wort, das zu einem geflügelten Sprichwort geworden ist: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“ Später sagen die Apostel, sie können unmöglich schweigen über das, was sie gesehen und erlebt haben.

Das, was mich zuinnerst bewegt, darüber einfach reden. Einfach eindeutig und beherzt aufstehen und reden – vor allem dann, wenn Menschenrechte missachtet und mit den Füssen getreten werden – das kann auch heute Mauern des Schweigens durchbrechen, Klarheit schaffen, Ermutigung und Trost schenken. Einfach reden – gar nicht so einfach.