Endlich wieder zum Wirten

Das hat mir gefehlt. Der Wirt ist ein sehr schlagfertiger Mann. Er kann erzählen wie Lukas Resetarits. Er schwärmt von seiner Frau und davon, wie leidenschaftlich sie mit den Kindern gelernt hat. „Di hom mehr weiterbrocht in zwa Stund‘ als sonst an einem ganzen Schultag.“

Gedanken für den Tag 26.6.2020 zum Nachhören (bis 25.6.2021):

Wir einigen uns darauf, dass es ganz viele fantastische Lehrer/innen gibt, und dass sie unterbezahlt sind. „Aber des bin i a.“ Sagt der Wirt. Und dass die Leidenschaft halt nicht ausgehen dürfe. Gerade bei Kindern. Weil diese seien noch entflammbar. Die wollen noch lernen und weiterkommen.

Manuel Rubey
ist Schauspieler und Kabarettist

Wir sind super, die anderen nicht

Die französische Philosophin Agnes Callard unterscheidet zwischen Ehrgeiz und Bestreben. Es kann der Ehrgeiz sein, sich für das Fach Musik zu entscheiden, weil man so schnell zu einem leichten ‚Sehr Gut‘ kommt. Es kann aber das Bestreben sein, Musik zu inskribieren, weil man diese liebt. Callard formuliert weiter: „Ehrgeiz in Bestreben umzuwandeln, sollte daher eines der wichtigsten Berufsfelder von Lehrern und Lehrerinnen sein.“

Der Stammwirt geht vors Lokal eine rauchen. Ich begleite ihn. Ein paar Jugendliche kommen vorbei und spucken uns vor die Füße. Ich frage, ob das sein muss. Die Antwort ist typisch unterforderte, frustrierte, nicht wahrgenommene toxische Jungmännlichkeit. Irgendwas mit schwul und Sex und meiner Mutter. Vorgebracht in ausbaufähigem Deutsch. Der eine hat in der Hand eine „Tageszeitung“, die so heißt wie unser Land. Auf dem Titelblatt ausschließlich Trennendes. Wir sind super, die anderen nicht. Ich hätte eine naive Idee: Dem Wutboulevard das Steuergeld wegnehmen und in Bildung investieren. Würde uns, glaube ich, allen guttun und die Kluft ein wenig verkleinern. „Jo, des werdn’s aber ned machen“, sagt der Wirt.

Musik:

Adele: „Make you feel my love“ von Bob Dylan
Label: Universal/Polystar 5332299