Dinge, die ans Licht wollen

Sie kommt aus Kötschach-Mauthen in Kärnten, war viele Jahre Küchenchefin und ist jetzt Bloggerin: Sissy Sonnleitner. Jetzt, so ist sie überzeugt, ist es Zeit, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die da sind, die ans Licht wollen.

Morgengedanken 3.7.2020 zum Nachhören (bis 2.7.2021):

„Ab morgen trage ich rot,“ heißt ein Buch Linda Jarosch, das mich nach wie vor beeindruckt. Rot wie die Leidenschaft, die Liebe, die Lust, die Erotik, die Auferstehung, das Blut...

Sissy Sonnleitner
ist Haubenköchin in Kötschach-Mauthen in Kärnten

Göttliche Energie

Für mich ist auch Pfingsten rot. Der Geist, der uns lebendig macht, der Feuer, Begeisterung, Leidenschaft in uns weckt. So verstehe ich den Heiligen Geist als die weibliche Kraft Gottes. Aus diesem Verständnis kann ich dem Umgang der Kirche mit uns Frauen nicht folgen. Denn das Rot signalisiert mir, mich selbst sichtbar zu machen, die Scham hintanzustellen. Ein Signal für Leidenschaft und Lebensfreude. Ein starkes Zeichen für jene Kräfte, die meinem Leben Farbe geben und meine Selbstachtung. Dieses Achtung gilt auch für die Erotik. Viele Frauen lehnen ihre erotische Seite ab. Das liegt zum einen an anerzogenen Moralvorstellungen, die die eigene Erotik verdrängen. Andere wehren sich innerlich gegen kommerzielle Bilder, die weibliche Erotik mit sexueller Anziehungskraft gleichsetzen.

Erotik empfinde ich vor allem als sinnlich-geistige Anziehung. Unsere erotische Ausstrahlung wirkt, wie ich meine, aus dem Bewusstsein heraus, gerne Frau zu sein – in unserem Auftreten, unseren Worten und unserer Kleidung. Ich habe für mich erkannt: Auch dieses Mysterium der Weiblichkeit liegt in uns Frauen. Es will von einem anderen Menschen berührt und geweckt werden. In jeder Lebensphase lohnt es, sich dieser göttlichen Energie zu widmen.