Donnerstag, 15.2.2024, Markus Schlagnitweit

Fasten

In den vergangenen Tagen hat der katholische Theologe Markus Schlagnitweit schon einige Wörter rund um diese besondere Zeit im Jahr genauer unter die Lupe genommen: „Fasching“ zum Beispiel, oder „Rosenmontag“.

„Fasten seat belts!“ -– Die Aufforderung zum Schließen der Sicherheitsgurte kennt man vom Fliegen. Weniger bekannt dürfte sein, was das Anschnallen im Flugzeug mit der Fastenzeit zu tun hat: In beiden Fällen leitet sich „fasten“ ab vom althochdeutschen Wort für „festhalten“ oder „sich fest an etwas binden“ -– im einen Fall eben an den Sitz im Flugzeug, im anderen Fall an die religiösen Gebote zur Enthaltsamkeit in den Wochen vor Ostern.

Ausrichtung und Anbindung

Markus Schlagnitweit
ist Priester und Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs

Im ersten Fall dient das „Fasten“ der Sicherheitsgurte dem Schutz vor möglichen Unfällen, verursacht durch Turbulenzen und Erschütterungen bei Start und Landung von Flugzeugen. Im zweiten Fall kann „Fasten“ dazu dienen, das persönliche Leben wieder in stabilere Bahnen zu bringen, aus denen es von den Turbulenzen des Alltags immer wieder geworfen wird – nicht nur beim Essen, Trinken und anderen sinnlichen Genüssen, sondern genauso in unseren Beziehungen, im Berufsalltag, in unseren Lebensrhythmen.

Ob die strenge Beobachtung religiöser Speisevorschriften das Leben automatisch besser und zielsicherer macht, darf durchaus bezweifelt werden. Ich hätte deshalb einen anderen Vorschlag: Fasten als neuerliche Ausrichtung und feste Anbindung an das, was das eigene Leben wirklich erfüllt – mit Freude, mit Dankbarkeit, mit Sinn.