Freitag, 16.2.2024, Markus Schlagnitweit

Frühjahrsputz

Markus Schlagnitweit ist katholischer Theologe und Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs. Er geht auf eine weit verbreitete Tradition ein, die man, so findet er, durchaus auch auf die seelische Ebene ausweiten sollte.

Für viele Menschen ist die Fastenzeit auch die Zeit für einen ordentlichen Frühjahrsputz. Alter Staub und Muff ade – Platz für frische Luft, neue Farbe, blanke Fenster! – Nun, wie wäre es, wenn das große Reinemachen nicht nur auf Häuser, Wohnungen und Autos beschränkt bliebe? Wenn es etwa auch das alltägliche Leben erfasste: alte Gewohnheiten oder das Verhältnis zu anderen Menschen?

Das eigene Leben erneuern

Markus Schlagnitweit
ist Priester und Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs

Mir kommt da eine Filmszene in den Sinn: Da lebt ein Mann in der Grenzregion eines politisch unterdrückten Landes ärmlich vor sich hin. Rein zufällig entdeckt er eines Tages einen vergessenen, alten Tunnel, der ihn unter der scharf bewachten Grenze hindurch in das freie, wohlhabende Nachbarland führen würde. Der Mann könnte dort ein neues, gesünderes, feineres Leben beginnen. Doch er zögert: „Wie soll es drüben anders sein, wenn ich mich selbst mitnehmen muss?“, fragt er sich. Und ich gebe ihm recht.

Denn selbst die saubersten Wohnungen, die blitzendsten Autos – sie allein machen noch lange keinen neuen Frühling, wenn in den Herzen und Köpfen alles beim Alten bleibt. Frühjahrsputz heißt also auch: das eigene Leben erneuern.