Dienstag, 20.2.2024, Oliver Hartl

Kameradschaft

Es gibt Lebensbereiche, da kann man sich die Menschen, mit denen man zu tun hat, nicht aussuchen. Trotz verschiedener Ausbildungen, Einstellungen und Meinungen kann ein gutes Miteinander entstehen, wie Oliver Hartl, katholischer Militärpfarrer in Niederösterreich, in seinen Morgengedanken erzählt.

An ihrem Einrückungstag betreten neue Grundwehrdiener an der Wache vorbei zum ersten Mal das Kasernengelände. Dabei wird ihr Einberufungsbefehl kontrolliert, auf dem zu lesen steht: „Seit diesem Tag 0 Uhr sind Sie Soldat!“ Ein neuer Status – sehr forsch beschrieben. Ein neues Umfeld – das man nicht kennt. Und neue Leute – die man sich nicht ausgesucht hat, ein Querschnitt aus der Gesellschaft draußen.

Trotz aller Verschiedenheiten

Oliver Hartl
ist katholischer Militärpfarrer in Niederösterreich

Die ersten Stunden noch in Zivilkleidung, von der man sich unbewusst abliest, ob einem jemand sympathisch ist oder nicht, ob man mit jemandem etwas zu tun haben will oder eher nicht. Wenn dann alle die Uniform tragen, sind die Unterschiede plötzlich aufgehoben – alle sind gleich, trotz verschiedener Ausbildungen, Meinungen und Einstellungen.

Und dazu das Wort „Kameradschaft“ – eine soziale Dynamik, die nicht zu unterschätzen ist. Zusammenhelfen, zusammengreifen – es funktioniert, trotz aller Verschiedenheiten. Nach Dienst fragt man einen Kameraden, ob er auch noch mitgeht. Und man redet auch mit ihm, und man kommt drauf, dass er ja auch ganz nett ist. Diese Kameradschaft sickert und prägt – ein Leben lang.