Japans Bischöfe: Katholiken ist Morallehre gleichgültig

Die japanischen Bischöfe haben eine ernüchternde Bilanz über die Beachtung der katholischen Morallehre an der Basis gezogen: Die meisten Gläubigen wüssten „bestenfalls bruchstückhaft“ darüber Bescheid.

Auch innerhalb der Kirche werde die Lehre zu Ehe und Familie bisher „ohne jedes Engagement“ thematisiert, heißt es in der Antwort der Japanischen Bischofskonferenz auf die Umfrage des Vatikans zu Ehe, Familie und Sexualität. Das Lagebild, aus dem der asiatische katholische Pressedienst Ucanews am Mittwoch zitierte, dient der Vorbereitung einer weltweiten Synode zu Familienfragen, die Papst Franziskus für Oktober einberufen hat.

Mehr wiederverheiratete Geschiedene

Wiederverheiratete Geschiedene seien auch unter japanischen Katholiken „zunehmend verbreitet, wenngleich vielleicht nicht so wie in vorwiegend katholischen Ländern“, schreiben die Bischöfe. Die Scheidungsrate von Katholiken unterscheide sich nicht merklich vom Bevölkerungsquerschnitt.

Japanische Katholikinnen beten in der Kathedrale inTokio

Reuters/Reuters Photographer

Die katholische Kirche in Japan zählt nach eigenen Angaben 440.000 Mitglieder

Die betreffenden Gläubigen stünden dem Ausschluss vom Kommunionsempfang meist „gleichgültig“ gegenüber. „Sie haben sich entschieden, die Sakramente zu empfangen oder nicht und handeln entsprechend ihrer Entscheidung. Andere bleiben einfach der Kirche fern“, heißt es in dem Bericht. Auch Priester erhöben teils keine Einwände, wenn sie von der irregulären Situation ihrer Gemeindemitglieder wüssten. Als eine Konsequenz verlangten die Bischöfe eine Vereinfachung des kirchenrechtlichen Verfahrens zur Eheannullierung.

„Verhütung ohne Schuldgefühle“

Mit Blick auf die Kirchenlehre zu künstlicher Empfängnisverhütung seien japanische Katholiken „entweder gleichgültig oder nicht informiert“. Die meisten hätten von den grundlegenden Dokumenten nie gehört; die Anwendung von Verhütungsmitteln sei nicht mit Schuldgefühlen verbunden. „Es gibt eine große Kluft zwischen dem Vatikan und der Wirklichkeit. Kondombenutzung wird in der Sexualerziehung an den Schulen empfohlen“, so das Schreiben.

Ebenso werde das Zusammenleben vor der Ehe immer selbstverständlicher. Inzwischen hätten 17 Prozent im Jahr vor ihrer Hochzeit eine gemeinsame Wohnung. Auch bei Brautleuten aus katholischen Familien entspringe „der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung oft mehr familiärem Druck als der Glaubensüberzeugung“. Selbst Ehehindernisse wie Scheidung würden von Seelsorgern teils mit Nachsicht betrachtet.

Trend zu Anerkennung von Homosexualität

Zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen beobachteten die Bischöfe keinen stärkeren Trend zu einer Anerkennung; „eher scheint es einen Trend weg von jeder Form der Ehe zu geben“. Zugleich werde die japanische Gesellschaft allgemein „immer toleranter gegenüber Homosexualität, sei es als Orientierung oder als Lebensform“, schrieben die Bischöfe. Diese Toleranz zeige sich „in wachsendem Maß bei Katholiken wie der Gesellschaft im Ganzen“. Auch unter Katholiken sei „die Vorstellung des Naturrechts weder allgemein verstanden noch akzeptiert“.

Die katholische Kirche in Japan zählt nach eigenen Angaben 440.000 Mitglieder, das sind 0,35 Prozent der Bevölkerung. 76 Prozent der verheirateten Katholiken haben einen nichtkatholischen Ehepartner. Den vatikanischen Fragebogen hatten Bischöfe und Ordensobere beantwortet, ihre Einschätzungen nach eigenen Angaben aber mit Laien und Experten abgestimmt.

religion.ORF.at/KAP

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