Rund 36.000 Menschen zur Sonnenwende in Stonehenge

Rund 36.000 Menschen, darunter Druiden und Sonnenanbeter, haben an der Kultstätte Stonehenge im Süden Englands die Sommersonnenwende gefeiert. Die Megalith-Steine geben den Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf.

Die Menge begrüßte am Samstag mit dem Sonnenaufgang den längsten Tag des Jahres. In der Nacht nahm die Polizei 25 Menschen fest, die meisten wegen Drogendelikten, wie ein Sprecher mitteilte.

Sommersonnenwende in Stonehenge

Reuters/Kieran Doherty

Ein Mal im Jahr, zur Sommersonnenwende, wird der Zutritt zu dem sonst abgesperrten Monument Stonehenge frei ermöglicht

Die Sicherheitskräfte seien aber zufrieden, dass die Sonnenwende ein „angenehmes“ Ereignis für die Mehrheit der Besucher gewesen sei. Historiker vermuten, dass der rätselhafte Steinkreis von Stonehenge irgendwann zwischen 3000 und 1600 vor Christus errichtet wurde.

Die Megalith-Steine geben den Forschern seit Jahrhunderten Rätsel auf. Die gängigste Theorie für ihre Entstehung lautet, dass Menschen schon in der damaligen Zeit den astronomischen Kalender verstanden hatten. Die Steine von Stonehenge wurden demnach auf die Sonnenwende ausgerichtet. 1986 wurde die Stätte in die Welterbeliste der UN-Kulturorganisation Unesco aufgenommen.

Sommersonnenwende in Stonehenge

Reuters/Kieran Doherty

Die Steine von Stonehenge in England sind Anziehungspunkt für moderne Hexen, Druiden und Anhänger anderer Naturreligionen

Zur Sommersonnenwende hat die Sonne ihre größte Kraft, es ist der längste Tag im Jahr und die kürzeste Nacht. Seit Urzeiten ist das ein Grund für die Menschen, Feste zu feiern. Im Christentum wurde das Fest der Sommersonnenwende mit einer Feier zu Ehren Johannes des Täufers am 24. Juni verbunden. Die dabei entzündeten Feuer werden dementsprechend Johannisfeuer genannt.

Druiden und Hexen begehen das „Litha“ genannte Fest bewusst. Sie beziehen sich dabei auf vorchristliche Traditionen, verehren die Natur und feiern Zeremonien zu Ehren von Göttinnen und Göttern.

„Wicca“ sind die modernen Hexen

Beim Wicca, einer Natur- und Mysterienreligion mit Ursprung im 20. Jahrhundert, werden diese Feste mit Trommeln, Musik, Gesang und Trance gefeiert. Die Trance sei ein wichtiges Element, um den Kontakt zur „Anderswelt“ herzustellen, erzählt Tanja Kozak, Hohepriesterin der Wicca, in der Ö1-Sendung „Erfüllte Zeit“.

Im Wicca gilt alles als beseelt. Das Leben um uns herum habe mit uns zu tun und nehme auch Einfluss auf uns, so Kozak, und es gebe Wesenheiten, mit denen Kontakt aufgenommen werden könne. Sie bezeichnet sich selbst als moderne Hexe und empfindet etwa auch Magie als allgegenwärtig - freilich nicht im Sinne von Zauberei.

Sommersonnenwende in Stonehenge

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Rund 36.000 Menschen waren bereits in der Nacht aufgebrochen, um den Sonnenaufgang in Stonehenge zu erleben

Im der Hexentradition des Wicca gebe es das Credo: „Tue, was du willst, solange Du niemandem schadest“, erzählt Kozak. „Das ist der Punkt. Ich kann ein Messer benutzen und kann damit jemandem bedrohen oder umbringen. Ich kann das Messer aber auch benutzen, um jemandem, der Hunger hat, eine Scheibe Brot abzuschneiden“, so Kozak. „Magie ist das Messer, und es kommt auf den Menschen an, wie er es benutzt.“

Druidentum

Das Druidentum versteht sich als spirituelle und philosophische Strömung, die sich auf die Druiden, das „Kultpersonal“ der historischen Kelten, bezieht. Ein wichtiges Merkmal ist die Verbundenheit mit dem Universum. Die Historikerin und Druidin Signe Fuchs erläutert gegenüber dem ORF Radio Ö1, dass sie sich als Teil des Universums verstehen, beide würden derselben Energie entspringen.

Im Zentrum stehe die Verbindung mit allem, was da ist: mit der Welt, mit dem Universum, mit den Planeten. Doch müsse die Verbindung mit dieser Energie erst wieder aufgebaut werden, weil sie im Lauf der Zeit immer mehr verloren gegangen sei. Der keltische Kult der Druiden ist in Großbritannien seit 2010 als „alte heidnische Religion“ offiziell anerkannt.

Sommersonnenwende in Stonehenge

Reuters/Kieran Doherty

Anders als in Österreich sind manche neuheidnische Gruppen in England und Amerika staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften

Insgesamt existiere eine Vielfalt an neuheidnischen Bewegungen, die weiterhin im Wachsen begriffen seien, so die Theologin und Religionspsychologin Susanne Heine im Gespräch mit religion.ORF.at. Anders als in Österreich sind manche neuheidnische Gruppen in Amerika staatlich anerkannte Religionsgemeinschaften. Viele von ihnen sind naturverbunden, daher auch am Schutz der Natur interessiert und zu einem wesentlichen Teil auf die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit ausgerichtet. Es gebe aber auch einzelne Gruppen, die rassistische und rechtsextreme Positionen vertreten, so Heine, die auf eine teilweise mangelhafte ethische Komponente hinweist.

religion.ORF.at/APA