„Maria Magdalena“: Geschichte einer Jüngerin

Eine neue Perspektive auf die Jesus-Geschichte hat der australische Regisseur Garth Davis gewählt. „Maria Magdalena“ ist aus der Sicht der Jüngerin Jesu, dargestellt von Rooney Mara, erzählt. Der Film läuft ab Donnerstag in österreichischen Kinos.

Pünktlich zum Osterfest ist der Film dazu geeignet, auf das christliche Hochfest einzustimmen. Dabei ist „Maria Magdalena“ bemüht, alte Rollenbilder und Zuschreibungen von der Hauptfigur fernzuhalten und ihr Eigenständigkeit einzuräumen: „I will not be silent - I will be heard“: „Ich werde nicht still sein - ich werde gehört werden.“

Szene aus "Maria Magdalena"

Universal

Szene aus „Maria Magdalena“

So reagiert Maria Magdalena im Film auf die Versuche des Apostels Petrus (dargestellt von Chiwetel Ejiofor, „12 Years a Slave“), sie am öffentlichen Auftreten zu hindern. Die US-Schauspielerin Mara („Carol“, „Verblendung“) haucht Maria aus Magdala, der einzigen prominenten Frauenfigur rund um Jesus Christus neben seiner Mutter, in einer leidenschaftlichen, sensiblen Darstellung Leben ein.

„Vorösterliches Geschenk“

Dass es Filmemacher gibt, die die neutestamentliche Heilsgeschichte „heute für ein breites Publikum ganz neu erzählen können und zugleich tiefen Respekt vor religiösem Empfinden zeigen, ist ein vorösterliches Geschenk“: Dieses Lob über den Film hat Viera Pirker vom Institut für Praktische Theologie an der Universität Wien in einem Beitrag für die theologische Feuilleton-Website feinschwarz.net geäußert.

„Ein alternatives Evangelium“

Theologisch lasse sich über manches an der Neuinterpretation einer „scheinbar auserzählten Geschichte“ durchaus diskutieren, so die Wiener Theologin; jedenfalls formuliere der Film „ein alternatives Evangelium, das heutiger neutestamentlicher Forschung durchaus standhält“.

Szene aus "Maria Magdalena"

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Taufe im See: Jesus und Maria Magdalena

Sie erscheint im Film als erste Frau, die mit der Taufe im See in den Jüngerkreis Jesu aufgenommen wird; auf Marias Bitte hin predigt Jesus nun auch zu den Frauen. Joaquin Phoenix („Gladiator“, „Walk the Line“) als Jesus kann überzeugen. Er zeige einen spirituellen Prediger, „der den anderen wohl will, der aber auch in Fahrt kommt, sich mitunter mehr hingibt, als es gut sein kann“, meint Pirker.

Maria Magdalena wurde schon mehrmals in Filmen dargestellt, allerdings immer als Nebenfigur. So verkörperte sie Barbara Hershey in Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ von 1988, Monica Bellucci spielte sie in Mel Gibsons „Die Passion Christi“ (2004). Joanna Dunham stellte Maria Magdalena in „Die größte Geschichte aller Zeiten“ (1965) dar.

Erste Zeugin der Auferstehung

Im Neuen Testament wird Maria Magdalena oder Maria von Magdala (heute Migdal, ein Ort in Israel) als Begleiterin von Jesus Christus beschrieben. Sie blieb während der Kreuzigung bis zum Ende bei ihm und wurde die erste Zeugin seiner Auferstehung. Viel mehr weiß man nicht von ihrem Leben, sie war vermutlich eine von mehreren Frauen, die Jesus und seinen Jüngern nachfolgten und sich um ihren Lebensunterhalt kümmerten.

Szene aus "Maria Magdalena"

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Maria aus Magdala wurde häufig als „sündige“ Frau dargestellt

Immer wieder wurde - etwa in der Populärliteratur - eine Art Liebesbeziehung Maria Magdalenas zu Jesus angedeutet. Auch wird sie in nachbiblischen Schriften häufig mit der als „Sünderin“ bekannten Frau gleichgesetzt, die Jesus die Füße salbte (Lk 7).

Obwohl diese Deutung in der Bibel keinen Anhaltspunkt hat, wird Maria Magdalena dennoch häufig als „sündige“ oder zumindest sinnliche Frau dargestellt - gleichsam als Antithese zur keuschen Mutter Maria. Die häufig dargestellte Pose als Büßerin und das Salbgefäß als Attribut rühren ebenfalls daher. Der Film „Maria Magdalena“ hält sich von einer solchen Zuschreibung sorgfältig fern.

Maria und Petrus: Neid und Versöhnung

„Dramatisch und theologisch bedeutsam“ gestalte Garth Davis im Film die Konstellation zwischen Maria und Petrus (Chiwetel Ejiofor), so Theologin Pirker. Er lässt die beiden ein Streitgespräch über „präsentische und futurische Eschatologie“ führen - also über das Reich Gottes, das hier und jetzt, in Herzen und Handeln der Menschen beginnt, gegenüber einem Warten auf die Wiederkunft des Erlösers, mit der ein neues Reich erst anbrechen wird.

Szene aus "Maria Magdalena"

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Ein schwieriges Verhältnis: Maria und Petrus (Chiwetel Ejiofor)

Mit dieser auch von Neid und Versöhnung durchzogenen Differenz begebe sich das Drehbuch in die Spur des apokryphen „Evangelium Mariae“ aus dem zweiten Jahrhundert „über die Jüngerin, die Jesus liebte“, meint die Theologin.

„Antijudaistische Fallen“ vermieden

Jegliche in den Evangelien angelegten „antijudaistischen Fallen“ seien im Film ausdrücklich vermieden worden, auch die Schuldfragen zur Passion weder gestellt noch gezeigt: Das Drehbuch brauche all das nicht, „um eine konsistente Geschichte von Mensch und Gott zu erzählen“.

Über sich selbst und seine Hauptdarstellerin Mara sagte der Regisseur: „Da wir beide nicht direkt religiös sind, war es für uns eine besondere Herausforderung, denn der Film wird auch als religiöser Film gesehen. Aber wir fühlen uns mit der spirituellen Botschaft verbunden, die auf gewisse Weise verloren gegangen ist.“

Szene aus "Maria Magdalena"

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Regisseur Davis fühlt sich „der spirituellen Botschaft“ der Geschichte Jesu verbunden

Davis habe „zurück zur Kernbotschaft Jesu“ gewollt, wie er erklärte: „Dass die Macht in uns, nicht außerhalb von uns liegt. Dass es nicht um Ideologie und Regeln geht, sondern darum, zu hören, was in uns ist, und damit in Verbindung zu treten.“

gril, religion.ORF.at/KAP

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