Faksimile-Ausgabe: Seltene Einblicke in islamische Kunst

Islamische Kalligrafien und Malereien aus verschiedenen islamischen Kulturen sind in einer luxuriösen Faksimile-Ausgabe unter dem Titel „Meisterwerke islamischer Buchkunst“ editiert worden.

Mehr als tausend Jahre lang wurden in der gesamten islamischen Welt besondere Werke geschaffen, aus denen nun einzelne Seiten ausgewählt und publiziert wurden. „Sie bilden eine weltweit einmalige Sammlung und belegen eindrücklich die Kunstfertigkeit der Kalligraphen und Buchmaler aus den verschiedensten Kulturen der islamischen Welt“, schreibt der deutsche Verlag Müller und Schindler.

Ziel ist, einem interessierten Publikum, Bibliotheken und Universitäten ein Spektrum an islamischer Kunst näher zu bringen. Die Ausgabe soll einen geografischen, chronologischen und inhaltlichen Überblick über die „Highlights“ der islamischen Kunstgeschichte geben, so die Verlegerin, Charlotte Kramer, zu religion.ORF.at.

Faksimile Drucke alter isalmischer Handschriften

Verlag Müller & Schindler

Al-Hariri: Abu Zayd und al-Harith auf See (auf dem Euphrat), Irak, 13. Jahrhundert. Nationalbibliothek Frankreich

Das Bild der Segler stammt aus dem bekanntesten Werk des Irakers Abu Muhammad al-Quasim ibn Ali al-Hariri (1054–1122). „Al-Maqamat“ - so der Titel - enthält 50 kurze Erzählungen, die jeweils den Namen einer islamischen Stadt aus der Zeit tragen. Das Bild selbst stammt von dem irakischen Künstler Yahya ibn Mahmud al-Wasiti, der die Illustrationen zu den pitoresken Geschichten gemacht hat. Auffallend ist dabei, dass nicht nur die Hauptfiguren im Zentrum stehen, sondern auch das Schiff und die Umwelt in der sie fahren: Fische im Wasser und Gebäude am Ufer.

Originalgetreue Nachbildungen

Gemeinhin wird zwar von einem Bilderverbot im Islam gesprochen, das sich traditionell auch bis heute hält, im Koran allerdings so nicht enthalten ist. Es gilt aber die Ablehnung der Verehrung von bildlichen Darstellungen. Daher werden in Moscheen kaum Lebewesen dargestellt, sondern Ornamente. Die Originale der jetzt editierten Schriften und Illustrationen sind zum Teil die ältesten und einzigen erhaltenen Dokumente.

Bei der Erstellung von Faksimiles wird jedes einzelne Blatt originalgetreu reproduziert, wobei jeder Aspekt der Darstellung - von der Farbgebung bis zum Goldauftrag und dem Beschnitt der Seiten - bis ins kleinste Detail nachgebildet wird. Jedes Faksimile-Blatt wird von einem Passepartout umfasst. Jedes Blatt ist mit Beschreibungstexten auf Englisch und Arabisch in einer eigenen Mappe abgelegt. Deutsche Texte soll es in Kürze ebenfalls geben.

Faksimile Drucke alter isalmischer Handschriften

Verlag Müller & Schindler

Die Kassette mit den zwölf einzelnen Mappen

Luxuskassette und Einzelblätter

Insgesamt gibt es 20 originalgetreue Faksimile-Blätter zur Auswahl, darunter auch eine Seite aus dem „blauen Koran“ - einem der wertvollsten Koranmanuskripte aus dem 9./10. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um blaue Pergamentseiten mit Goldschrift. Zwölf der Faksimiles werden in einer ledernen Schmuckkassette zusammengefasst. Die Blätter sind einzeln oder in der Kassette erhältlich. Der Einzelpreis liegt bei 190 Euro, die ganze Kassette kostet 1.980 Euro.

Hinweis

Die „Meisterwerke islamischer Buchkunst“ können direkt beim Verlag bestellt werden.

Erstmals vorgestellt wurden die Drucke bei der diesjährigen internationalen Buchmesse in Abu Dhabi, Ende April. Das Publikum dort habe die Werke gut angenommen, sagte Kramer. Es sei gut angekommen, dass sich ein europäischer Verlag für die islamische Kultur interessiere.

Faksimile Drucke alter isalmischer Handschriften

Verlag Müller & Schindler

Jüngling mit Falke, Iran, 17./18. Jahrhundert. Nationalbibliothek Frankreich

Die Abbildung des Jünglings mit dem Falken aus dem 17./18.Jahrhundert ist im Stil damals üblicher Abstammungsabbildungen gefertigt, aber ohne tatsächlich eine Genealogie abzubilden, heißt es im Begleittext. Das Blau und Gold in den Verzierungen gebe dem Bild einen noblen Charakter.

Reisen durch Zeiten, Sprachen und Religionen

Die mitgelieferten Informationsblätter geben unter anderem Hintergrundinformationen zu den Entstehungsgeschichten. Sie zeigen teilweise auch die Verwobenheit von Kulturen, Sprachen und Philosophien. So kommen beispielsweise die Geschichten der zwei Schakale Kalila und Dimna ursprünglich aus Indien.

Faksimile Drucke alter isalmischer Handschriften

Verlag Müller & Schindler

Die zwei Schakale Kalila und Dimna, Syrien, 1200–1220. Nationalbibliothek Frankreich

Bekannte und anonyme Künstler

Das Buch mit philosophischen und politischen Weisheiten, wie es im Begleittext heißt, wurde im 6. Jahrhundert von Sanskrit ins Persische übersetzt und 200 Jahre später von Persisch in Arabisch. „Diese Arbeit reiste durch Zeit, Sprache und vor allem durch die Religionen, vom Buddhismus und Hinduismus zum Islam und dann zum Christentum“.

Die Geschichte von Kalila und Dimna gilt neben der Bibel als eines der meistgelesenen Bücher. Es enthält Fabeln, die den Leser lehren, wie man sich (besonders als Prinz) in bestimmten Situationen zu verhalten hat. Das florale Muster im Hintergrund der zwei Schakale findet sich auch auf anderen Blättern dieses Manuskripts. Es gilt deshalb als Markenzeichen des Künstlers, der allerdings unbekannt ist.

Faksimile Drucke alter isalmischer Handschriften

Verlag Müller & Schindler

Antonius de Lampugnano, Falkenjagd, Mailand, 1459. Musee Conde, Chantilly, Frankreich

Der italienische Künstler Antonius de Lampugnano schuf im 15. Jahrhundert die Illustrationen zu einer Abhandlung über die Falkenjagd und das Jagen. Ursprünglich war diese arabisch, wurde 1240 ins Lateinische übersetzt und kam schließlich über Tunesien nach Italien.

Der Verlag Müller und Schindler versteht sich eigenen Angaben zufolge als kultureller Botschafter und möchte einen Austausch zwischen der abendländischen und der islamischen Welt ermöglichen. Die kostbaren islamischen Handschriften seien Zeugen und Botschafter der islamischen Hochkultur, heißt es in einer Pressemitteilung. Die originalgetreuen Faksimile-Editionen könnten einem interessierten Publikum auf der ganzen Welt nahe gebracht werden, ohne die unersetzbaren Originale zu gefährden.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

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