„Marias Testament“: Erinnerungen einer Mutter

Eine Gottesmutter Maria, die mit dem Opfertod ihres Sohnes Jesus am Kreuz unversöhnt geblieben ist und von einer Auferstehung nichts weiß, steht im Mittelpunkt einer neuen Produktion im Theater in der Josefstadt.

„Wenn ihr sagt, dass er die Welt erlöst hat, dann sage ich, dass sie das nicht wert ist“, lautet einer der bitteren Schlüsselsätze in „Marias Testament“, die Bühnenversion von Colm Toibins 2012 erschienener Novelle. Die 81-jährige Nicole Heesters spielt in der Inszenierung von Elmar Goerden eine verzweifelte, tief traurige, in Ephesos alt gewordene Maria von Nazareth. Die 90-minütige Premiere der Produktion der Hamburger Kammerspiele wurde am Samstag mit Standing Ovations bedacht.

Szene aus dem Theaterstück "Marias Testament" mit Nicole Heesters als Maria

Bo Lahola

Nicole Heesters als Maria

„Wahrheit auf der Rückseite der Bibel“

Der irische Schriftsteller und Literaturkritiker Colm Toibin „nimmt sich die literarische Freiheit, eine Wahrheit zu erzählen, die sich auf der Rückseite der Bibel ereignet“, teilte das renommierte Wiener Theater über die „mutige Kontrafaktur des Neuen Testaments“ mit.

„Marias Testament“ sei die Geschichte einer Frau, der „das Schlimmste geschah, was einer Mutter geschehen kann“. Maria erzählt von der Entfremdung, die bei der Hochzeit von Kana deutlich wurde, vom grausamen Verbrechertod ihres Sohnes am Kreuz und von ihrer Flucht nach dem vermeintlichen Ende der Jesusbewegung.

Veranstaltungshinweis

„Marias Testament“ ist im Theater in der Josefstadt (Josefstädter Straße 26, 1080 Wien) am 1., 12. und 13. Oktober zu sehen, zwei Aufführungen sind für November geplant, drei für Dezember.

Zwei zudringliche Jünger - „Aufpasser“, wie Maria sie nennt - hätten sie in ihrem Haus aufgesucht, berichtet die Greisin weiter, sie nach den Ereignissen im Leben Jesu ausgefragt. Und Maria bestätigt die Interpretation dieser Ereignisse im Neuen Testament keineswegs: „Von Erlösung hält sie so wenig wie vom Glauben an die Wiederauferstehung.“

Unkonventionelle Annäherung

Eine weiße Lilie als Symbol für Reinheit und Unschuld wirft diese Bühnenmaria ebenso in den Mist wie die Osterkerze. Festhalten lässt Regisseur Goerden seine Schauspielerin nur Requisiten wie Besen, Wasserkübel oder Kopftuch." Doch die meiste Zeit hat Heesters den Riesentextkoffer ohne Halt zu stemmen", heißt es in einer Kritik der „Wiener Zeitung“: „Virtuos die Bewegungen, Gesten, Schrecken in Gesicht, bisweilen Süffisanz in der Stimme!“

Für die „Kleine Zeitung“ hinterfragt „Marias Testament“ den Glauben - „nicht jenen in die Religion, sondern den in Institutionen und Geschichtsschreibung generell“. Maria erinnere sich nicht, woran sie sich erinnern solle, heißt es in der Premierenkritik. „Ihre Aufpasser wollen, dass sie geradlinig berichtet, ‚um eine einfache Lehre aus den Dingen zu ziehen, die nicht einfach sind‘.“

religion.ORF.at/KAP

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