Oscar Romero und Paul VI. heiliggesprochen

Papst Franziskus hat am Sonntag einen seiner Vorgänger, Paul VI., den ermordeten salvadorianischen Erzbischof Oscar Romero und die deutsche Ordensschwester Katharina Kasper heiliggesprochen.

Des Weiteren wurden Nunzio Sulprizio, Francesco Spinelli, Vincenzo Romano und Nazaria March Mesa von Papst Franziskus heiliggesprochen. „Wir erklären und bestimmen Paul VI. und Oscar Arnulfo Romero Galdamez (...) zu Heiligen und nehmen sie unter die Heiligen auf, mit der Verfügung, dass sie als solche in der ganzen Kirche verehrt werden“, sagte der Papst bei einer Messe auf dem Petersplatz in Rom.

Heiligsprechung Oscar Romero

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Der Papst verlas feierlich die Formel, mit der die sieben Seligen in das Verzeichnis der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen wurden

Wie die neuen Heiligen vorgezeigt hätten, sei Jesus „radikal“, sagte Franziskus in seiner Predigt. „Er gibt alles und verlangt alles: er gibt totale Liebe und verlangt ein ungeteiltes Herz“. Jesus gebe sich „mit einem Prozentsatz an Liebe nicht zufrieden: wir können ihn nicht mit zwanzig, fünfzig oder sechzig Prozent lieben. Entweder alles oder nichts“. Reichtum sei gefährlich, weil ein Zuviel-Haben und Zuviel-Wollen das Herz ersticke. „Wo das Geld im Mittelpunkt steht, gibt es keinen Platz für Gott und auch keinen Platz für den Menschen“, so der Papst

„Von alten Sicherheiten verabschieden“

Mit Blick auf die neuen Heiligen forderte der Papst die Christen auf, sich von alten Sicherheiten zu verabschieden. Die Kirche müsse sich fragen, ob sie nur gute Gebote predige oder Jesus in Liebe nachfolge. Sie müsse um die Gnade bitten, Reichtum und „Sehnsucht nach Status und Macht“ loszulassen. Jene Strukturen, die der Verkündigung des Evangeliums nicht mehr angemessen seien, gelte es aufzugeben, ebenso wie den „Ballast“ und die weltlichen Bindungen, welche die missionarische Sendung bremsten und dazu beitrügen, dass die Christen und die Kirche ohne einen „Fortschritt in der Liebe“ an „egozentrischer Selbstgefälligkeit“ erkrankten, mahnte der Papst. Dabei ende man bei einem Leben „ohne Schwung, wo ein wenig Narzissmus die Tristesse des Unvollendet-Bleibens überdeckt“.

Benedikt XVI. nahm an der Zeremonie im Unterschied zu früheren Heiligsprechungen nicht teil. Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation, begründete das damit, dass der inzwischen 91-jährige emeritierte Papst nicht mehr so agil wie noch vor wenigen Monaten sei.

Reliquien der Heiligen wurden zum Altar gebracht

Reliquien der Heiligen wurden zum Altar gebracht, darunter ein Knochensplitter Romeros und ein Hemd, das Paul VI. 1970 bei einem Messerattentat auf dem Flughafen von Manila getragen hatte.

Die Heiligsprechungen erfolgten in Anwesenheit der Präsidenten El Salvadors und Chiles, Salvador Sanchez Ceren und Sebastian Pinera, sowie der spanischen Königin Sofia.

Heiligsprechung Oscar Romero

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Die Zeremonie fand im Rahmen der Bischofssynode zum Thema Jugend im Vatikan statt

Soziale Gerechtigkeit

„Die Heiligsprechungen von Papst Paul VI. (1963-1978) und Oscar Romero sind ein Zeichen der Unterstützung für das aktuelle soziale und entwicklungspolitische Engagement von Katholikinnen und Katholiken und eine Rückenstärkung für die Anliegen der Weltkirche“: Mit diesem Tenor brachten Vertreterinnen und Vertreter der katholischen Kirche in Österreich ihre Freude über die Heiligsprechungsfeier zum Ausdruck.

„Papst Paul VI. hat aus seiner Zeit heraus unseren heutigen Blick entscheidend geprägt: die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, den Anspruch an die Stärkung aller Menschen und die Verantwortung der Wirtschaft im Dienste der Gemeinschaft sind Werte, die uns auch heute noch leiten“, hob „Weltkirche“-Bischof Werner Freistetter laut Kathpress hervor. „Die schwierigen Fragen nach Wegen der ganzheitlichen Entwicklung gerade auch in Bezug auf unsere Verbindung zur Schöpfung werden von Papst Franziskus neu gestellt und als Weltkirche sind wir gefordert, darauf Antworten zu geben“, erinnerte der Vorsitzende der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) in einer Pressemitteilung.

Engagements für die Opfer eines ungerechten Systems

Romero wiederum ist aus Sicht der Theologin und El-Salvador-Expertin Julia Stabentheiner wegen seines Engagements für die Opfer eines ungerechten Systems eine Leitfigur, wie die Leiterin des kirchlichen EZA-Netzwerks Welthaus Innsbruck in derselben Aussendung betonte. „Nicht nur durch Mildtätigkeit, sondern indem er klar und deutlich lebensfeindliche Strukturen und Schuldige benannte und zur Umkehr aufforderte, hat er sich zum Anwalt der Ärmsten gemacht“, erklärte Stabentheiner, die sich seit Studien- und Forschungsaufenthalten in San Salvador intensiv mit Erzbischof Romero befasst: „Das ist, was auch heute von uns gefordert ist, stets an der Seite der Armen und Ausgeschlossenen zu sein und unsere Stimme zu erheben.“

Bilder von Erzbischof Oscar Romero und Papst Paul VI. im Vatikan vor ihrer Heiligsprechung

APA/AP/Alessandra Tarantino

Sieben Katholiken heiliggesprochen: Unter ihnen der frühere Papst Paul VI. und der ermordete salvadorianische Erzbischof Oscar Romero

Romero habe „das eine Ohr beim Evangelium und das andere bei den Armen seines Landes“ gehabt, hielt auch die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreich (ksoe), Magdalena Holztrattner, zur Heiligsprechung in einem Interview mit der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ fest. Romeros Botschaft wirke im Denken, Fühlen, Reden und Tun vieler Menschen bis heute weiter. Durch die Heiligsprechung werde das nun für Christen in aller Welt bestätigt. „Sein Einsatz für die Armen und für Gerechtigkeit ist ein Vorbild für alle Gläubigen dieser Welt“, sagte Holztrattner. Das Vorbild Romeros ermutige dazu, „vom Evangelium bewegt, mutig, deutlich, und prophetisch aufzutreten für eine menschliche Gesellschaft, für gerechte politische Strukturen, für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften, einen starken Sozialstaat und den achtsamen, enkeltauglichen Umgang mit unserer Mitwelt“.

Große Freude über die Heiligsprechung Romeros gibt es auch bei der Katholischen Männerbewegung Österreichs (KMBÖ), für deren entwicklungspolitisches Engagement über die Aktion „Sei so frei“ der salvadorianische Erzbischof ebenfalls richtungsweisend ist.

Heilige: Menschen mit heroischem Tugendgrad

Die Ordensschwester Katharina Kasper (1820 bis 1898) stammt aus dem Westerwald und ist Gründerin der Ordensgemeinschaft Dernbacher Schwestern, die sich um Alte und Kranke kümmert. Der Limburger Bischof Georg Bätzing bezeichnete die Heiligsprechung in einem Schreiben an die Gläubigen des Bistums als „ein großartiges Geschenk“. Damit würdige die Kirche das „Lebens- und Glaubenszeugnis“ der Ordensschwester und schenke ihr weltweit Beachtung.

Francesco Spinelli (1853-1913) war Mailänder Diözesanpriester und Gründer des Instituts der Schwestern des Allerheiligsten Sakraments. Vincenzo Romano (1751-1831) war neapolitanischer Diözesanpriester und organisierte Schulen für Waisen- und Straßenkinder. Nazaria March Mesa (Ordensname: Nazaria Ignazia de Santa Teresa de Jesus; 1889-1943) war Spanierin und ging auf Missionseinsatz nach Argentinien. Dort gründete sie die Gemeinschaft der „Misioneras Cruzadas de la Iglesia“. Nunzio Sulprizio (1817-1836) schließlich stammte aus dem winzigen Abruzzen-Dorf Pescosansonesco. Er starb nach monatelangem Todeskampf in Neapel.

religion.ORF.at/APA/dpa/KAP

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