Jüdisches Museum Wien zeigt Mystik der Kabbala

Die mystische Tradition der Kabbala als „ständiger Wegbegleiter jüdischer Geschichte, Kultur und Religion“ steht im Mittelpunkt einer ab 31. Oktober geöffneten Sonderausstellung im Jüdischen Museum Wien.

Humanisten und Wissenschaftler befassten sich weit über das Judentum hinaus mit diesem Phänomen der europäischen Kulturgeschichte, heißt es in der Ankündigung. Die in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Amsterdam entstandene Schau betrachte die Kabbala im weitesten Sinne des Wortes über viele Jahrhunderte von der frühen jüdischen Mystik bis in ihre modernen Ausprägungen in Kunst und Populärkultur.

Die Ausstellung bietet Einblicke in die von kabbalistischen Motiven beeinflusste Malerei, Bildhauerei, Design, Literatur, Film und Musik (klassisch wie populär). Durch diesen Zugang würden den Besucherinnen und Besuchern Einsichten in das, „was Kabbala wirklich ist, gegeben und erstaunliche Einblicke in eine oft als verborgen bezeichnete Welt eröffnet“, verspricht das Museum.

Amulett für  eine  Wöchnerin  und  ein  neugeborenes  Kind

Jüdisches Museum Wien

Amulett für eine Wöchnerin und ein neugeborenes Kind

Esoterischer Zugang

Die Kabbala (Überlieferung, Übernahme, Weiterleitung, Tradition) umfasst einen Bereich des Judentums, der sich mit dessen esoterischen Ausformungen auseinandersetzt. Sie versuche Antworten auf die Rolle des Menschen im Universum und seiner Beziehung zu Gott zu geben, so eine Presseinformation. Dabei handele es sich um universelle Grundsätze, die sich an Menschen jeglichen Glaubens und jeglicher Religion wenden.

Die erste Periode dieser esoterischen Tradition überlieferter Bräuche und Schriften beginnt laut Jüdischem Museum mit den mystischen Zirkeln in der südfranzösischen Provence und in Spanien des 12. und 13. Jahrhunderts. Über den Seehandel mit Byzanz so wie dem Orient kam es zu regem Ideenaustausch innerhalb der einzelnen jüdischen Gemeinden. Nach der Zerstörung der spanisch-jüdischen Gemeinde 1492 wurde im 16. Jahrhundert die kleine Stadt Safed in Obergaliläa zum Zentrum der Kabbala mit einflussreichen Persönlichkeiten wie Moses Cordovero und Isaak Luria.

Ausstellungshinweis

„Kabbalah“ ist von 31. Oktober 2018 bis 3. März 2019 im Jüdischen Museum Wien (Dorotheergasse 11, 1010 Wien) zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 29,90 im Kerber-Verlag.

Kulturgeschichte bis heute

In der Renaissance entstand etwa durch den italienischen Philosophen Giovanni Pico della Mirandola auch die christliche Kabbala. Die damit einsetzende Übersetzertätigkeit ins Lateinische machte es möglich, dass Elemente und Ideen der Kabbala in zahlreichen Texten von Alchemisten und Magiern zu finden sind.

Die kabbalistischen Lehren entwickelten sich in kleinen Zirkeln weiter und führten zur großen Volksbewegung des Chassidismus im 18. Jahrhundert. In der jüngsten Vergangenheit machten Persönlichkeiten wie die Sängerinnen Madonna und Britney Spears oder das in mehreren Großstädten vertretene Kabbalah Centre der Familie Berg die Kabbala zum Bestandteil der Pop-Kultur.

Doch seien die gegenwärtigen Formen der Kabbala ernst zu nehmen und nicht nur Teil der modernen Pop-Kultur, sondern auch Teil der jüdischen Kulturgeschichte, betont die Aussendung. Auch esoterische Richtungen schöpfen bis heute aus dieser Tradition.

religion.ORF.at/KAP

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