„#Female Pleasure“: Lebenskraft aus Selbstbestimmung

Der Film „#Female Pleasure“ porträtiert fünf Frauen, die sich aus ihren jeweiligen religiösen und kulturellen Umfeldern heraus für eine selbstbestimmte Sexualität und ein erfülltes Leben einsetzen.

Mit dem Film ist Regisseurin Barbara Miller ein bewegender und positiver Film gelungen. Obwohl es um weibliche Genitalverstümmelung, männerzentrierte Pornografie, sexuellen Missbrauch und Peniskult geht, bleibt der Film keine Anklage, sondern transportiert in beeindruckender Weise die Kraft, die Lebensfreude und die Sinnhaftigkeit des Engagements der Protagonistinnen.

„Geschieht das alles aus Angst?“

Gemeinsam ist den fünf Frauen die Auflehnung gegen die jeweils durch die patriarchalen Strukturen von chassidischem Judentum, römisch-katholischer Kirche, Shintoismus, Islam und Hindu-Religionen gestützte Unterdrückung weiblicher Sexualität und Selbstbestimmung.

Die Protagonistinnen aus dem Film "Female Pleasure"

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Regisseurin Barbara Miller, Rokudenashiko, Leyla Hussein, Vithika Yadav und Doris Wagner

Die praktizierende Muslimin Leyla Hussein aus Somalia prangert vor allem die Praxis der Beschneidung von Frauen (FGM - female genital mutilation) an, in der sie allerdings nur einen Aspekt von vielen in der Unterdrückung von Frauen sieht. Sie fragt: „Geschieht das alles aus Angst?“ In patriarchalen Strukturen herrscht die Angst vor weiblicher Sexualität und Lust vor.

Ihre Tochter konnte die Psychotherapeutin vor der Beschneidung bewahren und wird nicht müde, in Workshops und auf Reisen Männer und Frauen über die Praxis aufzuklären. So zeigt sie etwa jungen Männern anhand einer übergroßen Vulva aus bunter Knetmasse, wie und welche Teile des weiblichen Geschlechtsorgans weggeschnitten werden und was die Folgen davon sind.

„Meine Vagina ist nicht obszön“

Die Japanerin Rokudenashiko kämpft auf ganz andere Art gegen die Vorstellung, das weibliche Geschlecht sei etwas Anstößiges, Obszönes. „Meine Vagina ist nicht obszön“, sagt sie. In Japan, wo es einen öffentlichen Peniskult gibt, der sich in Fruchtbarkeitsfesten ausdrückt, bei denen riesige Phalli durch die Straßen getragen werden und Erwachsene wie Kinder an penisförmigen Schleckern lutschen, wurde sie wegen ihrer Kunst verhaftet.

Hinweis:

„#Female Pleasure“ läuft am Freitag, 16.11.2018 in den österreichischen Kinos an.

Die Künstlerin hat einen Abdruck ihrer Vulva dazu verwendet, harmlose, bunte Kunststofffiguren und kleine Kunstwerke mit Landschaften und kleinen Püppchen zu schaffen, in vergrößerter Form auch ein Boot. Außerdem stellte sie die 3D-Daten ihrer äußeren Geschlechtsteile ins Internet. Ihre Geschichte zeichnete sie in Mangas (japanische Comics).

Die Protagonistinnen aus dem Film "Female Pleasure"

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Mit ihrem „Vagina-Boot“ wollte Rokudenashiko übers Meer fahren

Die Inderin Vithika Yadav hat die Plattform „Love Matters“ gegründet, mit der Aufklärung betrieben und auf weibliche Bedürfnisse (etwa, genauso wie Männer Orgasmen haben zu wollen) hingewiesen wird. Sie arbeitet mit Jugendlichen Performances und Veranstaltungen aus, die sexuelle Gewalt und Vergewaltigungen thematisieren. Im Land des Kamasutra (Lehrwerk über Erotik) sei die weibliche Sexualität tabu, es gehe immer nur um männliche Bedürfnisse. Yadav ist die Erste in ihrer Familie, die sich ihren Ehemann selbst ausgesucht hat.

Die Frau als das Böse und die Heilige

Die deutsche Katholikin Doris Wagner schaffte nach mehreren Vergewaltigungen durch einen ihr vorgesetzten Pater den Ausstieg aus der „geistlichen Familie“ „Das Werk“. Sie weist besonders auf die Abhängigkeit und das Ausgeliefert-Sein in der Gemeinschaft hin. Sie habe sich sukzessive selbst verloren, erzählt sie. Eine Anzeige gegen den Pater und zwei Briefe an Papst Franziskus blieben erfolglos.

Wagner weist auf die unmögliche Erfüllung der Vorgaben durch Maria hin, die als vor, während und nach der Geburt jungfräulich dargestellt werde. Mittlerweile weiß sie das „normale“ Leben zu schätzen, genießt ihre Ehe und ihr Kind.

Die Protagonistinnen aus dem Film "Female Pleasure"

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Vithika Yadav nach einer Veranstaltung mit jungen Männern und Frauen

Gleicher Wert von Frauen und Männern

Deborah Feldman musste, um ihr Leben selbst in die Hand nehmen zu können, die chassidische Gemeinschaft, in die sie hineingeboren wurde, verlassen. Ihrem Sohn, den sie aus einer arrangierten Ehe hat, zeigt sie seitdem ein Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Konservative Rabbiner würden immer noch das Bild der Frau als notwendiges Übel vermitteln.

Die Frau müsse den Mann vor ihrer „Unreinheit“ schützen, werde in der strengen jüdischen Gemeinschaft gelehrt. Feldmans Buch „Unorthodox“, in dem sie ihren Ausstieg beschreibt, wurde ein Bestseller. Mit Fotoaktionen, bei denen sie sich in - in orthodoxen Kreisen Männern vorbehaltene - Gebetsschals hüllt, macht sie auf den gleichen Wert von Frauen- und Männerkörpern aufmerksam.

Frauenthemen auch Männersache

„#Female Pleasure“ zeigt, dass Frauenrechte und Selbstbestimmung nicht nur Frauenthemen sind. Auch Männer profitieren von freien Frauen, und manche setzen sich dafür ein. Der Film berührt, macht betroffen und transportiert zugleich Hoffnung: Die Manga-Künstlerin Rokudenashiko wird kostenlos von einem ganzen Team von Anwältinnen und Anwälten vor Gericht vertreten. In einem kenianischen Dorf werden die Frauen - auch durch das Engagement eines jungen Mannes, der sich „verantwortlich fühlt“ - die nächsten Mädchengenerationen nicht mehr beschneiden lassen.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

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