Dalai Lama: Frieden oder Ende der Menschheit

Der Dalai Lama richtet mit seinem neuen Büchlein einen flammenden Appell an die Welt, vor allem an die Jugend. „Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Friedens sein - oder das Ende der Menschheit bringen.“

Die jetzt jungen Leute hätten die „grenzenlose Kraft der Zukunft“ in sich, mit der es möglich sei, „mit der Finsternis der Vergangenheit aufzuräumen“. Der Lama setzt enorme Hoffnungen in diese Generation. Er schreibt: „Reißt zu Beginn des 21. Jahrhunderts nun auch die letzten Mauern der Schande ein.“

Den ab 2000 geborenen Menschen wohne die Kraft des Friedens inne, zeigt sich der 82-jährige „ozeangleiche Lehrer“, wie Dalai Lama übersetzt heißt, überzeugt. Und er fühlt sich trotz seines Alters mit der Jugend auf einer Altersstufe, wenn es darum geht, für den Frieden einzutreten. Denn „wir sind alle in der Phase des Neubeginns“.

Dalai Lama

Reuters/Clodagh Kilcoyne

Der 14. Dalai Lama richtet einen Appell an die jungen Menschen, die Welt zum Besseren zu verändern

„Revolution des Mitgefühls“

Mit seinem unbedingten Festhalten an der Gewaltlosigkeit fordert er die Jugend auf, sich nicht von den aktuellen Kriegen, Krisenherden und von Terror entmutigen zu lassen. Gewaltlosigkeit erfordere zwar viel mehr Geduld und Willensstärke, sei aber letztlich erfolgreicher. „Die Geschichte lehrt uns, dass militärische Siege und Niederlagen nie von langer Dauer sind.“

Und: „Gewaltlosigkeit ist die pragmatische Lösung für die Konflikte unserer Zeit.“ Es sei die Zeit gekommen für eine Revolution, die noch nie da gewesen sei: eine Revolution des Mitgefühls. In diesem Zusammenhang beschwört er auch den Mut der Frauen, Führungsämter zu übernehmen. Das entsprechende Kapitel heißt „Mein Traum: Frauen werden Staatschefs“.

„Rebellische Geister brauchen wir“

Das Buch ist zugleich ein Einblick in den persönlichen Werdegang des Lamas. Tenzin Gyatso schreibt über seine Flucht aus Tibet, das, was er von seiner Mutter mitbekommen hat und über sein Lernen über die Maximen der Französischen Revolution. Die Werte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, sieht er im Buddhismus genauso verankert. Er beschreibt auch sein Miterleben von Vorgängen in der Welt, selbst, wenn er nicht physisch dabei war, wie etwa beim Fall der Berliner Mauer.

Cover von "Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt"

Benevento Verlag

Buchhinweis

Dalai Lama: Der neue Appell des Dalai Lama an die Welt, 88 Seiten, Benevento Verlag, 2018, 7 Euro.

Das 21. Jahrhundert brauche wieder „rebellische, scharfsinnige und kritische Geister“, so der Dalai Lama. Zudem bekennt er sich, was die Verteilung von Reichtümern betrifft, zum Marxismus und zum Prinzip der Brüderlichkeit.

Während andere buddhistische Gelehrte sich hauptsächlich in Gelassenheit üben, betont der Autor die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen und den menschlichen Entwicklungen. Für ihn stellt die Gelassenheit nur einen von mehreren Aspekten der buddhistischen Grundlagen dar.

Weiterbestand der Erde nicht gesichert

Besonders problematisch sieht der Dalai Lama die Klimakatastrophe. Denn der heutigen Jugend sei nicht garantiert, gesund erwachsen zu werden. Aber auch hier sieht er Abhilfe: „Denn wenn wir imstande waren, all diese Probleme zu schaffen, dann ist es nur logisch, dass wir auch über Möglichkeiten verfügen, sie zu lösen.“

Aus der Sicht des Lamas braucht es dazu vor allem kollektive Intelligenz und Mitgefühl. Denn eine einzelne Plastikflasche erscheine nicht schlimm, jeden Tag würden aber Millionen Kilo Plastik in die Meere gekippt, schreibt der Dalai Lama und appelliert an das Bewusstsein für das eigene Handeln.

Der Buddhismus und die Physik

Tenzin Gyatso begründet seine Forderungen nach Liebe, Mitgefühl, Freude und Gleichmut mit Erkenntnissen der Quantenphysik. Die Zellen von Lebewesen vibrieren demzufolge im Einklang mit dem Universum. Er mahnt alle Menschen - nicht nur die Jugend - ihre universelle Verantwortung wahrzunehmen. So wie Gedanken, Handlungen und Worte eine Wirkung auf quasi das ganze System haben, könne jede und jeder als winziger Teil der sieben Milliarden Erdbewohner ihren oder seinen Beitrag leisten.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

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