Papst für Sexualkunde-Unterricht in den Schulen

Papst Franziskus hat am Montag zu innerkirchlichen und politischen Fragen Stellung genommen: So sprach er sich etwa für Sexualkunde-Unterricht in Schulen und gegen die Aufhebung des Zölibats aus. Eine Botschaft hatte er auch für Frauen, die abgetrieben haben.

Sexualität sei „ein Geschenk Gottes und nichts Monströses“, sagte er laut Vatican News auf dem Rückflug von Panama nach Rom vor mitreisenden Journalisten. Sexualerziehung müsse „objektiv“ erfolgen und dürfe nicht zu einer „ideologischen Kolonisation“ missbraucht werden. Erziehung müsse „aus dem Menschen das Beste herausholen und ihn auf dem Weg begleiten“. Sexualerziehung solle idealerweise in der Familie durch die Eltern stattfinden, so das römisch-katholische Kirchenoberhaupt. Da dies teils aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sei, müsse die Schule einspringen.

Hintergrund der Frage an den Papst war eine aktuelle Statistik zu Schwangerschaften im Jugendalter in Zentralamerika. Den Zahlen zufolge wurden im Vier-Millionen-Einwohner-Land Panama im vergangenen Jahr 10.440 minderjährige Schwangere registriert.

papst Franziskus hält seine Brille in den Händen. Bildausschnitt ohne Kopf

APA/AFP/Johan Ordonez

Papst Franziskus äußerte sich bei der „fliegenden Pressekonferenz“ zu innerkirchlichen und politischen Fragen

Versöhnung nach Abtreibung

Der Papst äußerte sich in dem Zusammenhang auch zum Thema Abtreibung: Diejenigen Frauen, die abgetrieben hätten, sollten den Weg einer „Versöhnung“ mit ihrem abgetriebenen Kind gehen, riet der Papst. „Dein Kind ist im Himmel; sprich mit ihm, sing ihm das Wiegenlied, das du ihm nicht singen konntest“, sagte er. Darin liege ein „Weg der Versöhnung“. Auch nach der Verfehlung eines Schwangerschaftsabbruchs gebe es Vergebung. „Gott vergibt immer“, so der Papst. Im Fall einer Abtreibung sei es aber eine „schwierige Vergebung“, die „durchgearbeitet“ werden müsse.

Auf die Frage, ob diese Aussage den betreffenden Frauen gerecht werde und der Barmherzigkeit entspreche, antwortete der Papst, die Botschaft der Barmherzigkeit gelte „für alle, auch für die menschliche Person im embryonalen Zustand“. Das Problem sei nicht die Vergebung, sondern „eine Frau zu begleiten, die sich bewusst geworden ist, abgetrieben zu haben“. Um das „Drama der Abtreibung“ zu verstehen, müsse man im Beichtstuhl sein.

Lossprechung auch bei Abtreibung

Franziskus erinnerte daran, dass er Priestern die Möglichkeit gegeben hatte, im Fall von Abtreibungen die Lossprechung zu erteilen. Diese Regelung verfügte er 2015 mit Blick auf das „Jahr der Barmherzigkeit“ 2016. Die Lossprechung von der schweren Schuld eines Schwangerschaftsabbruchs war bis dato in den meisten Ländern nur in wenigen Kirchen und durch bestimmte Beichtväter möglich.

Papst Franziskus sprach sich bei der fliegenden Pressekonferenz auch klar für den Zölibat aus. Er sei gegen eine generelle Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt, halte aber eine Diskussion über Sonderlösungen für nötig. Unter anderem, weil im Herbst im Vatikan eine Bischofssynode über die Region Amazonien zusammentritt und es dort auch um die Frage der Seelsorge in einem riesigen und schwer zugänglichen Gebiet gehen wird, ging der Papst auf den Zölibat ein.

Zölibat soll bleiben

Die priesterliche Ehelosigkeit sei ein „Geschenk für die Kirche“, so Franziskus. Er sei „nicht damit einverstanden, einen optionalen Zölibat zu erlauben“, sagte er.

Als „interessanten“ und diskutablen Vorschlag bezeichnete er hingegen, angesichts besonderer seelsorglicher Erfordernisse verheirateten Männern priesterliche Aufgaben in eingeschränkter Form zu übertragen. Eine solche Lösung wäre für Situationen des Priestermangels erwägenswert. Er selbst habe allerdings noch nicht ausreichend darüber nachgedacht und gebetet. Theologen müssten die Frage weiter erörtern, so der Papst.

Missbrauchsgipfel kein Allheilmittel

Zum Bischofstreffen über den Missbrauchsskandal im Februar dämpfte er die Erwartungen. Man müsse „die Erwartungen herunterfahren“, sagte er. Die Vertreter der Bischofskonferenzen weltweit müssten sich zunächst alle des „Dramas“ des sexuellen Missbrauchs bewusst werden - mehr dazu in Papst dämpft Erwartungen an Missbrauchsgipfel.

religion.ORF.at/KAP

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